Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1924, Síða 15

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1924, Síða 15
,ei (iem allmáclitigen Gott. Das Gesprách macht auf Steinn einen so tiefen Eindruck, ^aB er nichts anderes mehr sieht als den ,,weiBen“ Christus mit seinen Heerscharen 111 <ion Wolken des Himmels, Michael an der Spitzo der Engelscharen, das letzte Gericht, ^as himmlische Jerusalem und das ewige Friedensreich. Er ist wie geistesabwesend bei tier Versammlung, wo Þangbrand mit der Stárke seines Glaubens die Berserker uber- 'vmdet, und láBt sich mit dem Kreuz zeichnen wie Gestur auch, ohne sich dessen so r®cht bewuBt zu sein. Gegen Mitternacht aber verláBt er die trinkende und lármende Gcscllschaft und geht hinaus in die klare Fruhlingsnacht. Der Xau liegt dicht auf dem Gras ringsum. Vor sich sieht er den Breiðafjörð, im Stiden legt im Blauen Snæfellsnes und der Gletscher. Die Stille der Nacht wirkt auf ihn ein, er wird wieder ein Kind Islands, ein Kind seines Jugendglaubens, ein Kind seiner Mutter. le Asen treten in ihrer ganzen Zahl vor seinen Geist, er kann sie nicht von sich werfen, , n Glauben an sie nicht aufgeben, wenn sie auch nicht die einzige, letzte Wahrheit Slnd. Vielleicht hat er sie nie mehr geliebt, niemals mehr empfunden, welcher Segen Ur ihn Odins Gnadengabe, die Dichtkunst in den schwersten Stunden seines Lebens gC'vesen ist, als jetzt nach dem verstándnislosen Angriff des Sendboten desChristentums. Uer Gedanke an den Gerichtstag wurde lebendig in den Bildern des nordischen Götter- Slaubens. Nun wurde das Götterschicksal daraus; nicht Christus in den Wolken des bnuncls, sondern der Wolf, der am Ausgang der Höhle rast; ,,Es reiflt die Fessel, es rennt der Wolf." Wie ein Ertrinkender sein ganzes Leben an sich vortiberziehen sieht, s° trat ihm in der Form des Götterschicksals der Ausblick tiber das Schicksal der Welt v°n Anfang an und zugleich dieLösung derRátsel vor Augen. Nicht er selbst bestimmtc ^10 Geschichte, die Völva stellte sie ihm vor Augen, sang sie ihm und allen lebenden wcsen nach Odins eigenem Willen. Zuerst zeigt sie ihm die Leere: Nicht Sand war noch See • Noch Salzwogen . . . Gáhnung grundlos Doch Gras nirgend. (Genzmer) war die Aussicht vor ihm, der Sand bei Hagi am Breiðafjörð. Sie entwickelte Schicksal der Götter von ihrem Tun in Unschuld bis zum Eidbruch und Verderbnis. und doch war die Erde in dieser taufrischen Fruhlingsnacht schön: Eine Esche kenn ich, Yggdrasil heiBt sie, den gewaltigen Baum netzt weiBes NaB; von dort kommt der Tau, der die Táler befeuchtet; immergrtin steht er an der Urd Quelle. (Gering) ^ber wcnn das Schicksal auch verzieht, es entgeht ihm keiner. Die Weisheit Odins ann den Tod Baldrs niclit vcrhindern. Der Dichter denkt an Ögmund — und die Sache b’eht ihm so nahe, daB er die Tötung selbst nicht erwáhnt. Er weint mit Frigg, aber er sPricht rticksichtslos das Strafurteil tiber Loki, die Meineidigen und die Mörder. Die eschichte der Welt geht weiter, alles ist dargestellt mit Ztigen aus dem nordischen 'aubcn und Bildern aus der islándischen Natur. Immer wieder hört er die Worte der öiva tiber sich selbst: Vieles weiB ich Fernes schau ich: Der Váter Schicksal, Der Schlachtgötter Sturz. (Genzmer) er Uichter nimmt tcil am letzten Kampfe der Götter, Erinnerungen an dieschreck- nsten Naturereignisse, die er erlebt liat, sind darein verwoben: Die Sonne verlischt Das Land sinkt ins Meer, Vom Himmel sttirzen Dic hciterenSterne. Rauch und Feuer Rasen umher; Hohe Hitze Steigt himmelan. (Genzmer) 15

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