Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1924, Page 24
X. „ISLANDS ROSS UND REITER“
In der Biicherei der „Islandfreunde" findet sich die deutsche und die islándische
Ausgabe eines Buclies, betitelt: Islands Rofl und Reiter (Hestar og reiðmcnn á 'ls-
landi) von George H. F. Schrader, dessen Inhalt mir so wertvoll erscheint, daB ich Ver-
anlassung nehme, einmal im Rahmen unserer , ,Mitteilungen“ darauf aufmerksam zu
machen. Leider ist es mir aus Mangel an eigenen Erfahrungen an Ort und Stelle nicht
möglich, zu dem, was der Verfasser iiber die islándischen Pferde und deren Reiter sagt,
kritisch Stellung zu nehmen. Ich muB mich deshalb darauf beschránken, das wesent-
liche aus dem Inhalt wiederzugeben, wobei ich fiir unsere Freunde islándischer Natio-
nalitat ausdriicklich betonen möchte, daB ich dem Verfasser in seinen Ausfiihrungen
iiber Pferdepflege, Reiten und Fahren (wie sie uberhaupt betrieben werden sollen),
zwar durchaus beipflichte, daB es mir aber aus dem angefuhrten Grunde fern liegen
muB, seine kritisch wertenden Behauptungen betreffs der diesbeziiglichen Verhált-
nisse auf Island ohne weiteres zu den meinigen zu machen, es sei denn, ich erhielte da-
fiir Bestátigung, wenn nicht durch eigene Anschauung, so doch durch das objektive
Urteil anderer, sachkundiger Beobachter.
George H. F. Schrader, ein Deutsch-Amerikaner, anscheinend Fachmann auf dem
Gebiete der Hippologie, hielt sich jahrelang in Island auf, wo er sich mit Vorliebe dem
Studium der dortigen Pferde und ihrer Behandlung widmete und mit Eifer bemiiht
war, den Islándern in allen einschlágigen Fragen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
So ist z. B. hauptsáchlicli ihm die Errichtung von ,,Caroline Rest", der erstcn öffentlichen
Unterkunftsstatte in Akureyri zu verdanken. Wie sehr ihm daran lag, das Los der
Pferde auf Island zu verbessern, davon legt unser Buch ein beredtes Zeugnis ab.
Das Original war in englischer Sprachc abgefaBt. Da Schrader jedoch keinen geeig'
neten Ubersetzer ins Islándische fand, schrieb er es nochmals — und zwar wesentlich
erweitert — in deutscher Sprache, aus der es dann von Séra Jónas Jónasson ins Islán-
dische iibertragen wurde. Den Druck, der in Akureyri geschah, iiberwachte er selbst.
Nicht unerwáhnt bleibe schlieBlich, daB er das 225 Seiten starke, mit zahlreichen Text-
bildern und Bildbeilagen ausgestattete Buch im Selbstverlag erscheinen lieB. Kurzum.
der Verfasser scheute weder Muhen noch Kosten, um scin Werk, das ausschlieBlid1
zu Nutz und Frommen der Islánder geschrieben ist, der Vollendung cntgegcn zu fiihren-
Hören wir nun, was das Buch uns sagt! — Der erste Teil bietct eine ausfiihrliche
Schilderung des islándischen Pferdes und seines Reiters, im wesentlichen ein groBcs
Lofclied auf das erstere und ein noch viel gröBeres Iilageheá. iiber den letzteren. An'
erkennend wird die groBe Kraft, Ausdauer, Kaltblutigkeit, Gutmiitigkeit und Ge-
niigsamkeit dieser kleinen Pferde hervorgehoben, wie sie, scheinbar unermudlich, ihf°
Reiter oder Lasten tage-, ja wochenlang, oft mit erstaunlicher Gechwindigkeit, nuí
schwierigem Gelánde dahintragen und dabei in ihrer Ernálirung im Sommer nur an>
Gras und im Winter nur auf Heu angewiesen sind. Das Pferd ist ja dort noch immer
das einzige und beste Beförderungsmittel fiir seine Besitzer und deren bewegliche Habe-
Interessant sind hicrfiir einige dem Buch angefiigte Wiedergaben von Lichtbildern •
Aufnahmcn von Mánnern und Frauen, Kindern und Greisen, mit und ohne totes ode'
lebendes Gepack (wie z. B. Schafe) — alles zu Pferde; oder ein Krankentransp°rt
zu Pferde iiber weitc Schneefláchcn: vorweg der Fuhrer, dahinter nacheinander zWeI
Pferde, die, durch zwei gleichlaufende Balken mitcinander verbunden, in einem da-
zwischen befestigten Lattenverschlag nach Art eincr Sánfte den Kranken tragen; oder
ein Begrábnis zu Pferde: das Packpferd trágt den Sarg; oder eine Kalvalkade, d'c
im Gánsemarsch einen Strom durchwatet; oder eine Gruppe von Packpferden mi
Kisten, Mantelsacken und Packtaschen beladen; oder Reitpferde als Helfer bein(
Einsammeln der Schafe im Herbste; oder eine „Milchpost", d. h. ein Pferd mit zweI
groBen Milchkannen an den Seiten, oder ein Holztransport iiber Land: jedes Ptcr,
schleppt reclits und links einen auf dem Packsattel befestigten Balken; schlieBl'ctl
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