Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1924, Blaðsíða 25
, Ie "Einfuhr" von Heu zu Pferde: in langer Heihe trippeln die Tiere daher mit riesigen
eubiindeln zu bciden Seiten, so daB sie unter ihrer Last beinahe unsichtbar sind.
es das sind nur Beispiele fiir die iiberaus mannigfachen Verwendungsarten der Pferde
Island, deren Lob der Verfasser schlieBlich in die Worte zusammenfaBt: ,,Das
Restc
uuf Island ist das Pony'
Sch]
^°ch nun zu ihren Besitzern, vor allem ihren Reitern! — Harte Worte sind es, die da
hrader den Islándem sagen zu miissen glaubt. Was er ihnen vorwirft, ist im wesent-
Clen folgendes: Den Pferden auf Island fehlt in erster Linie die richtige Pflege, was
j>°Wohl ihre Ernalirung als auch die áuBere Pflege ihres Körpers und die Art ihrer Unter-
. lngung angeht. Die ausschlieBliche Fiitterung mit Gras oder Heu, das oft recht schlecht
jSl’ wird verworfen, zumal es sich hier um Tiere handelt, die sich im Vergleich zu ihrem
0rperbau háufig auBerordentlichen Strapazen unterziehen mussen. Oft kann von
einer geregelten Futterung auch mit diesen unzureichenden Mitteln gar keine Rede
Sein- „Eine betráchtliche Anzahl mufl sich im Winter mit Seetang als Futter begnugen
Cr ihre Nahrung durch Scharren unter dem Schnee miihsam suchen, weshalb sie im
uhjahr recht abgemagert und elend sind. Der Aussage einiger Islánder und Fremden,
WoHeumangel ist, diePonyszurWinterszeit mitFischen, hauptsáchlich mit Heringen
^fiittert werden, wurde so oft von Islandern widersprochen, daB ich schon glaubte,
ser eine Sage oder eine „Fischgeschichte", daB ihre Pferde Heringe fressen, bis ich
roit eigenen Augon gesehen habe." — Das Putzen der Pferde, was bei uns zur taglichen
allarbeit gehört, wird dort nur sehr wenig geiibt. „Das wird dem Regen und dem
Uchten Gras uberlassen." Und gerade die islándischen Pferde hátten eine regelmáBigc
'!n<1 Sriindliche Reinigung ihres ÁuBeren mit seinem dichten, starken Haarwuchs bei
‘r dort vorherrschenden rauhen und nassen Witterung ganz besonders nötig. — Wah-
'<n<1 Inan friiher als Ersatz fur Stálle wenigstcns kreisrunde Wálle aus Erde und Rasen
• ,ni Schutz gegen Wind und Wetter auffuhrte, blciben die Pferde jetzt groBenteils
raus jahrein olme irgendeine schiitzende Wand oder Dach im Freien, nur auf den
Senen Schutz ihres Haarkleides angewiesen. Einerseits trágt diese Behandlung zwar
. r denkbar gröBten Abhártung der Tiere bei; doch sind die dortigen Witterungsverhalt-
j^Sc) besonders imWinter, derarthart, daBErkáltungskrankheiten, Asthma, Pharyngo-
'1 yngitis, Ataxie und Kolik zicmlich háufig auftreten. Auch sonst klagt Schrader
UnsachgomaBc Behandlung der Pferde auBerhalb ihres Gebrauchs. Immer wieder
hnte er die Beobachtung machen, dafl Reiter ihre vom scharfen Ritt in SchweiB
adeten Pferde sofort kalt tránkten oder ohne jede Bedeckung stundenlang in schnei-
ner Winterluft stehen lieBen, so dafl sich eine dicke Eiskruste um die vor Frost
1.1 Crncl°n Tiere bildete. Bei ihrer Gutmiitigkeit und ihrem im allgemeinen wenig
haften Temperament ist es auf Island nicht iiblich, auf der StraBe wartende Pferde
sendwie „festzumachen". Sie lungern ohne jede Aufsicht umher; um sie aber an
ei Iterem Fortlaufen zu hindern, láBt man sie die Zugel auf dem Boden schleifen, was
la ^rseits s°hr bequem und andererseits sehr schlau ist, da kaum ein Pferd davon-
s , en wird, wenn es Gefahr láuít, sich dabei auf den Zugel zu treten. Im ubrigen er-
hy C'nt ^re clort gebráuchliche Art des Koþpelns, wie sie Schrader schildert, recht wenig
bprnan' ^en Pferden werden auf den meist nicht umzáunten Wiesen einfach die Vorder-
der ° 11111 Stricken zusammengebunden, wodurch sie gezwungen sind, sich nach Art
dj,1 llangurus fortzubewegen. Bei ilirer kurzen Halsbildung miissen sie sich infolge-
QS^en fast verrenken, um das oft nur spárlich und in weiten Zwischenráumen wachsende
b . .11111 dem Maule zu erreichen. Auch werden die Vorderbeine durcli das lange bock-
Wu ^leh°n selir leicht steif und die Fesseln durch das Scheuern der Stricke háufig
,jCr nnd zerschunden. — GroB ist der Mangel an Hufþflege. Abgesehen davon, daB
v;ej lufbeschlag, der oft von nicht „gelernten" Leuten ausgefuhrt wird, uberhaupt
sci ZU. Wnnscben ubrig láBt, trágt das dauernde Stehen auf weichem, naBkalten Boden,
rc;n.' lrn Freien oder in unreinen Stallen, sowie das Unterlassen des regclmáBigen Huf-
'fiens und -schmierens wesentlich zu Fchlern und Krankheiten des Hufes bei, die
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