Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Qupperneq 3

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Qupperneq 3
 Gaben des Knaben in drohender Gefahr verloren zu gehen. Aber göttliche ^orsehung wachte iiber ihm. Brynjólfr Sveinsson, der spáter einer der be- ■fóhnitesten islándischen Bischöfe werden sollte, fand ihn in der Werkstatt emes Grobschmieds, und da er mit scharfem Auge das Gold unter dem entdeckte, brachte er ihn wieder in Schulunterricht. Seine Ausbildung in Kopenhagen dauerte so lange an, bis ein Ereignis ein- *rat, das sein ganzes heben dauemd beeinflussen sollte. Im Jahre 1627 hatten vier Schiffe aus Nordafrika, von denen drei Seeráuberschiffe aus •^lgier waren, die schutzlose islándische Kiiste iiberfallen. Der Hauptangriff richtete sich gegen Heimaey, die bedeutendste der práchtigen Gmppe von Inseln, die wie groBe Felsenbastionen sich an der Siidwestkiiste von Island erheben und seit den Tagen der ersten Besiedlung Inseln der Westmánner W-h. Iren) genannt werden. Jón Þorsteinsson, der Geistliche des Insel- sPrengels, ebenfalls ein Dichter geistlicher Dieder, fand seinen Tod unter ^11 Opfem. Drei- bis vierhundert Uberlebende wurden als Gefangene fort- Seschleppt, die meisten von ihnen auf dem Sklavenmarkt von Algier ver- hauft, Viele davon muBten ein hartes Schicksal ertragen, zumeist wegen rhres Glaubens grausam verfolgt. SchlieBlich aber bot die Piratenstadt die Ur>gliicklichen Dberlebenden gegen Lösegeld an, und 1637, ze*hn Jahre nach ^em tlberfall, wurden noch 34 nach Kopenhagen zuriickgesandt. Die dánische Regierung hielt es fiir notwendig, diese Mánner und Frauen !tn christlichen Glauben wieder unterrichten zu lassen. Zehn J ahre Aufenthalt Unter den Mohammedanem hatte sie vieles vergessen lassen, und hier tritt ■^allgrímr wieder in die Geschichte ein. Er wurde ausgewáhlt, der Religions- lehrer seiner befreiten Landsleute zu sein. Unter den Gefangenen war eine I,rau, namens Guðríðr, von bezaubernder Schönheit. Obgleich sie etwa rh Jahre álter war als er selbst, verliebte sich der Lehrer griindlich in seine ^chiilerin. Die Verblendung des ungliicklichen Mannes war so groB, daB er Slch, trotzdem Guðríðr vor dem Uberfall verheiratet gewesen war und nach ahem, was der Gegenseite bekannt war, ihr Mann noch lebte, entschloB, ■^openhagen zu verlassen und mit dem Gegenstand seiner Leidenschaft nach Island zurii ckzufahren. Dort angekommen blieben sie beisammen und °cUieBlich, nach dem Tode ihres Mannes, heirateten sie. folgenden J ahre brachte er auf der unfruchtbaren Halbinsel Rey- tn áuBersten Siidwesten Islands in driickendster Armut zu. Das ' chicksal unseres Dichters war tatsáchlich entsetzlich. Mit der Zeit wurde auch die siiBe Frucht der Ehe fiir seinen Geschmack bitter. Wenn die handische Legende wahr ist,. waren die mohammedanischen Neigungen Semer Frau viele Jahre hindurcli eine Sorge fiir seine empfindsame Natur. Uch sein Gewissen fand keine Ruhe. 3* Die hjanes i 31

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