Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Blaðsíða 9
III. ISLÁNDISCHE WIRTSCHAFT
Zweck dieser Zeilen soll sein, die kaufbahn der islándischen Wirtschafts-
politik in den letzten Monaten zu verfolgen, soweit uns dies an Hand
zu \mserer Kenntnis gelangten Zeitungsnachrichten1, sowie einiger spe-
Zleller Zahlen aus den Staatshaushaltplánen der letzten Jahre möglich ist.
líer landsbanki gibt in seinem Jahresbericht fiir 1922 einen allgemeinen
wirtschaftlichen Uberblick, demzufolge wesentliche Veránderungen gegen
das Vorjahr im Ausdruck des táglichen Lebens nicht zu bemerken waren.
^as Fallen der Preise hat angehalten und sich in der Erwerbswirtschaft
schwer fiihlbar gemacht. Bei aller Verbilligung der aus dem Auslande be-
zogenen Waren konnten doch die Gescháftsunkosten nur unwesentlich redu-
2iert werden. Zweifellos ist eine Hauptursache hierzu die, daB in den ver-
Bosscnen Zeiten der Hochkonjunktur viele neue, nicht immer einw’andfrei
fundierte Unternehmungen gegriindet, oder auch bestehende unvorsichtig
erweitert worden sind. Nunmehr wollen sich die hohen Anlagewerte nicht
Verzinsen, wie urspriinglich gedacht, und das Ergebnis ist teils zeitweilige
Stillegung der Untemehmungen, wie z. B. in der Hochseefischerei, teils Auf-
lösung oder grundlegende Umstellung der Betriebe, wie es etwa bei der
•>landsverzlun“ in Erscheinung tritt. (Hier spielen indes noch andere Fak-
toren eine Rolle, deren weiter unten gedacht werden soll.)
Das schon erwáhnte Sinken der Preise driickt sich in folgenden statistischen
Zahlen der „hagstofa" aus, die unter Zugrundelegung eines 100 prozentigen
Warendurchschnittspreises im Juli 1914 (es handelt sich um Kleinverkaufs-
Preise fiir Waren des táglichen Bedarfs) ergebcn2:
fiir Oktober 1920: 454%
„ „ 1921: 327%
„ „ 1922: 286%
„ Ende 1922: 271%
anderen Gebieten des táglichen Lebens waren solche Preisminderungen
mdes nicht zu verzeichnen, vor allem haben sich die Mieten in alter und
Zlemlich betráchtlicher Höhe erbalten. Eine bedeutsame, wirtschaftliche
Folgeerscheinung hierzu ist eine recht lebhafte Bautátigkeit3 nicht nur in
Abgeschlossen Anfang November 23. 2 Vísir, 8. August 1923. 3 Obgleich es nicht
Zu_m Thema gebört, kann ich nicht unterlassen, auf die architektonischen und stili-
^ischen Mángel sowohl in der Ausfiihrung, als auch in der Wahl der Lage der neuen
lauser hinzuweisen. Eines der auffallendsten Beispiele diirfte die Bebauung der An-
°he der Schulwarte sein. Verwunderlich, dafi Einar Jónsson, der Kiinstler, in seinem
Jnuncrhin imposanten und eigenartigen Museum, die Masse der öden, charakterlosen
Uinverputzten) „steinsteypubyggingar" an sich herankriechen láöt, ohne einen Versuch
za machen, durch praktische Propaganda den Geschmack seiner Landsleute zu bilden.
Wieicht gibt dieser Hinweis einem Islandfreunde Veranlassung zu einer ausfiihr-
1C len> kritischen Betrachtung „iiber den Stil der Stadt Reykjavík".
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