Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Síða 11
Namen „die Spanische Frage"1 zusammen und in der Tat liat man trotz
aller erdenklichen Miihe keinen anderen Abnehmer gefunden, der den Platz
Spaniens, das sich in seinem Bedarf an Fischen mehr und mehr von Island
unabhangig zu machen scheint, einzunehmen vermöclite. Spanien hat nach
Kriegsende die meisten (oder alle?) seiner Handelsvertráge mit fremden
Staaten gekundigt1 und es stellte sich auch Island gegenúber auf einen ganz
anderen Standpunkt, der uns já aus den Zollstreitigkeiten um Klippfisch
Un<3 Spirituosen zur Genúge bekannt geworden ist. Verschiedene Male sind
■slándische Handelskommissionen in Spanien gewesen, auch jetzt wieder
lst Gunnar Egilsson, der stándige islándische Handelsbevollmáchtigte in Ge-
uua, von einer Interessengemeinschaft der islándischen Banken und der
lúschereigenossenschaft unter Beihilfe der Regierung in dieser Mission nach
Spanien entsandt worden2. Jedenfalls hat die Konkurrenz Englands,
^abradors, Norwegens und Frankreichs3, möglicherweise auch die Her-
stellung vou Fischkonserven in Spanien selbst, das Interesse an dem quali-
tutiv meist besseren, aber teureren islándischen Fisch stark schwinden lassen.
Niirzlich tauchten nun Gerúchte auf, wonach Schottland, bzw. schottische
Naufleute bereit sein sollten, den gesamten Fang Islands an Fischen zum Ver-
kauf zu ubernehmen. Meldungen úberVerhandlungen in diesem Sinne stammen
aúer bisher nur aus den Reihen der Abstinenzbewegung, so daB der Wunsch
des Herzens, auf diese Weise von den spanischen Weinhándlern loszukommen,
w°hl vorderhand der einzig zuverlássige Punkt in dieser Richtung ist4.
Indes, es sind nicht nur die Spanier, die an dem Fortbestehen der „Frage“
Schuld tragen, sondern auch die Islánder selbst. Um der Konkurrenz be-
Segnen zu können, sollen die Exportpreise herabgemindert werden. Zu dem
Zwecke hat der Verband islándischer Fischdampfer-Besitzer im Juli 1922
einfach die I/öhne der Fischdampferbesatzungen (auch die der Kapitáne und
Offiziere) herabgesetzt, mit der Erklárung, daB der so ermáBigte Tarif immer
n°ch besser sei, als der vom Verbande der Seeleute selbst fúr seine in der
Hotorfischerei bescháftigten Mitglieder genehmigte6. Die Folge war natúr-
hch Ablehnung dieser MaBregel seitens der Dampferbesatzungen bzw. ihres
^erbandes, langwierige Verhandlungen zwischen diesem und dem Reeder-
Verband unter persönlichem Vorsitz des Arbeitsministers und — Stillegung
nSpánarinálið“ eftir Pjetur Halldórsson im Vísir, 23. und 24. Oktober 1923. - Vísir,
22, Oktober 1923. 3 Vgl. „Framleiðsla og fisksölumarkaðir" eftir 'Olafur Proppé in
• 'Vcrslunartíðindi", 1919, S. 117—125. 4 David Östlund im Vfsir vom 6. Oktober 1923,
sQ'vie 31 Oktober 1923, wo er auch die Firma Robert A. Munro & Co., Ltd. Glasgow,
s Abnehmerin nennt. 5 Vfsir, 20. Juli 1923: Beim Kabeljaufang von beispielsweise 440
y 1 4oo Kr., beim Heringsfang von 560 auf 470 Kr. monatlich einschl. allerPrámien und
erpflegung, wobei zu beriicksichtigen ist, daC ca. ioMonate Ivabeljau- und ca.2Monate
eringsfangzeit ist.
39