Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Page 15

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>e Beichte dazu, um das Gewissen einzuschláfern. Die Folge ist die Auflösung aller M tl'chen Begriffe. Lug und Trug, Eidbruch und Mord herrschen, aucli das Eheleben >nkt aufs tiefste und die Geringschátzung der Frau erreicht ihren Höhepunkt. Man Sleht das aus den zahllosen Nebenfrauen, die alle bedeutenden Manner der Sturlungen- z°it haben, und bei den ldeineren wird cs nicht besser gewesen sein. Von solcher Sitten- '■'erdcrbnis blieb auch der Priesterstand nicht verschont; dagegen lialf weder das Ver- e des Waffentragens noch jenes, daB kein Priester die Messe lesen diirfe, der einen ^0rd auf dem Gewissen habe; der Zölibat war noch nicht anerkanntes Kirchengesetz, die nester hatlen ihre ehelichen Frauen und die Bischöfe auch (zuletzt Magnús Gizurarson, ischpf von Skálholt, 121Ö—1237). Nach der Uberlieferung scheint zum erstenmal ischof Heinrekr Karlsson von Hólar, ein Norweger (1247—1260), einem Priester Xcrboten zu haben, die Kirche zu betreten, weil er verheiratet war (Sturl. III, 236) und Urch das ,,neue Christenrecht" des Bischofs 'Arní Þorláksson von Skálholt (1269—1298) 'V|irde die höhere Geistlichkeit zum Zölibat reclitsgiiltig verpflichtet. Trotz aller Wirrnisse und Sittenverderbnis aber hatte die Kirche doch eine bedeutende ^ a°bt iiber die Gemúter und wer im Banne war, bemuhte sich, davon sobald als möglicli ^ei zu werden um der ewigen Scligkeit willen, und auch fúr Leute, die vor dem Tode ge- eichtet und die letzte Ölung empfangen hatten, hielt man Seelenmessen fúr sehr wún- Schenswert. (Das schönste Beispicl eines wahrhaft gottosfúrchtigen Mannes jener Zeit Tc- Sveinbjarnarson, Biskupasögur I, 639 ff.1.) Die áuCerlichen Forderungen der lrche, Kirchenbesuch, Taufe, Beichte, Firmung, Abendmahlbesuch wurden eingehaltt.n. Daneben entwickelte sich Aberglaube, der sich an Lehren der Kirche anschloB (Teu- elsglauben) und auch Reste altheidnischen Volksglaubens standen in voller Blute; die ngen Winternáchte unterstútzten die Vorstellungen von allen möglichen úbernatúr- . en Wesen. Gegen diese schien das Zeichen des Kreuzes, ein Spruch oder der Name ^nes Heiligen Abwehrmittel. Wasserweihen treten schon frúh auf. Das Weihen von rnnnen, Bergen und Pássen erreichte seinen Höhepunkt unter Bischof Gudmund hinn S°ði Arason (von Hólar 1203—1237). 13. Jahrhundert werden Bittgánge um gutes Wetter und gegen Plagen háufig, ann auch Gelöbnisbriefe an einen oder mehrere Heilige. Ein gesundes, bewufltes Glaubensleben findet sich in den sieben Klöstern; hier auch lege der Wissenschaften und der Literatur; sie haben guten Anteil an der Blúte der iteratur im 13. Jahrhundert, wenn auch die bedeutendsten Schriftsteller (wie Snorri mluson und Sturla Þórðarson) keine Mönche sind. Mancher alte Kámpfer sucht Se>n Leben im Frieden des Klosters zu beschlieflen. ð. Der Úbergang Islands unter die norwegische Herrschaft (1264) hatte ftir die Kirche °me Bedeutung; sie war lángst durchaus unnational; das neue Christenrecht úbernimmt as norwegische. Die Macht der Bischöfe wáchst immer mehr; der Widerstand gegen en Druck richtet sich aber nicht gegen die Kirche als solche. Man sieht in ihr nach vvie vor das einzige Mittel zur Seligkeit. Eas 14. Jahrhundert ist die Zeit des schlimmsten Niedergangs und Elends; die nor- "’eKische Hcrrschaft wurde zum Unglúck, die Verpflichtungen, die der König auf sich Eenommen hatte, wurden nicht eingehalten, die Einkúnfte aus der Insel verpachtet. Seit ^ 111 r4- Jahrhundert wurden Auslánder zu Bischöfen gemacht, von denen viele ihre |.0rtigen Jahre als Verbannung betrachteten, keinen Sinn und Verstándnis ftir die Is- <lnder hatten und nur darauf ausgingen, sich den Aufenthalt möglichst ertragreich zu stalten. Die Schulen lagen ganz darnieder; nur von einem (Petur Niculásson in Hólar) r° erzáhlt, dafl er eine Schule aufrechterhalten hat. Auch die Piiester verlieren das teresse an geistigen Dingen; die Geschichtsschreibung beschránkt sich auf das Ab- ^hteiben von Handschriften aus dem goldenen Zeitalter. Eine Ausnahme bildet der ischof'Arni Helgason, der vermutlicli die Geschichte des Bischofs'Arni Þorláksson ge- ^hrieben hat und Einar Hafliðason, von dem die Geschichte des Bischofs Lárentius ■^iich aus den Geschichten der Bischöfe soTl Thule, Bd. 20, eine Auswahl bringen. 43

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