Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Síða 17
7- Das 15. Jahrhundert brachte kcine Besscrung. Es begann mit dem ,,schwarzen
00 1 der wohl ein Drittel der Bewohner dahinraffte. Auch der Priesterstand erlitt ge-
waltige Verlustc, ein Beweis, daB diese ihren Seelsorgerpflichten eifrig nachgekommen
Den Verlust zu ersetzen war schwer, die Anspriiche an die Ausbildung muBten ge-
Wa]tig heruntergesetzt werden; es genugte, lesen zu können, wie, war gleichgiiltig. So
aB das kirchliche Lebcn ganz darnieder. Die Bischöfe, natiirlich Auslánder, hatten nur
le Steigerung der bischöflichen Macht und die eigene Bereiclierung im Sinne. Dies ge-
Schah mit Steigerung der Kirchenstrafen bis zum Unertráglicben, so daB man sich
'vundern muB, daB das Volk diese Tyrannei sich so lange gefallen lieB. Doch das Volk
atl;e alle Kráfte verloren — auf den schwarzen Tod folgte die Pest, wean auch nicht so
'veit ausgedehnt. —
DaB aber nicbt alle Fáhigkeiten erstorben waren, zeigt die Dichtung; in der geistlichen
lchtung sind es Heiligenlieder, zumeistMarienlieder; liier ist zu nennen Loftur Guttorms-
S°n (bekanntcr als Verfasser des HáttalvkiH) und Jón Pálsson Maríuskáld; an Eysteinn
r°lcht er aber nicht heran. Vom Klosterleben ist wenig Ruhmliches zu sagen; Schule
'Vurde allerdings gehalten; das sittliche Leben láBt sehr zu wunschen ubrig.
h7er Priesterstand lebt in wilder Ehe wie vorlier. Das eheliche Leben der Vornehmen
'V;ir auch stark zerruttet, Ehescheidung háufig. Es fehlt uberhaupt an sittlichem Ernst
1In ganzen Volk; Kirchenstrafen konnten dem nicht abhelfen.
Aber eine Abkehrung von der Kirche ist nicht wahrzunehmen, ebensowenig ein Wider-
sPruch gegen ihre Lehren; nur war und blieb das Verháltnis zum Christentum stets
rchaus áuBerlich. Unzufriedenheit erhob sich nur gegen den MiBbrauch der Macht
cr Kirchengewalt.
Daher warderWiderhallderReformation so sehr schwach und von einer vollkommenen
Und Wahren Reformation konnte noch lange nicht die Rede sein.
V. DIE INSELNAMEN DER FÁRÖER
ins 7. Jahrhundert hinein lagen die Fáröer auBerhalb der Wohnwelt. Erst um
z~~ das Jahr 670 wurden sie von irischen Einsiedlern betreten1, die dort ungefáhr ein
hrhundert lang lebten. Diese Kelten haben auf den Inseln nur geringe Spuren hinter-
sen. In der fárischen Sprache gibt es nur ein Dutzend Wörter, die mit einiger Sicher-
11: aus dem Keltischen stammen. Sie betreffen meist Gegenstánde des Ackerbaues
der Viehzucht, des Tier- und Pflanzenreiches2. Nur wenige topographische Namen
stam:
, rnmen aus dem Kellischcn und von den Namen der 17
. rrschen Ursoruncs. der der beiden Inseln GroB- und
híeiri
ist
^Wei
bewohnten Inseln ist nur einer
Ursprungs, der der beiden Inseln GroB- und Klein-DímoM (altnord. Dímun
1 und Dímun minni, fár. Stóra und Lítla Dímun, dán. Store und Lille Dimon). Dimon
Clu altes keltisch-irisches Wort, das Doppelgipfel oder Zwillingsberg bedeutet (di,
rnuinn, Nacken, Rucken, Gipfel). GroB-Dimon ist, von SW und NO gesehen, eine
jlojfch->IPÍebge, eine Sattelinsel. Zwischen dem 396 m hohen Berge Högoy und dem 308 m
, cn Klettarnir liegt eine Einsattelung, deren tiefster Punkt eine Meereshöhe von nur
111 besitzt. Dimon kommt als topographischer Name sowohl auf Island als auch
n ''cn Shetland-Inseln vor, wo im Mittelalter ebenfalls irische Einsiedler lebten. Dímu-
fcj , ‘akkar ist ein kleiner Bergkegel und Dímunarvágr eine schmale Bucht bei Styk-
olmur an der Westkiiste von Island, Dímun eine 70—80 m liohe Insel, die einst be-
'v»ldet
Ihre
'var. Auf den Shetland-Inseln findet sich der Name ,,de Dimons".
__ re heutige germanische Besicdlung erhielten die Fáröer erst um das Jahr 8003.
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pr tnnier> Die friihesten Beruhrungen der Iren mit den Nordgermanen. Sitz.-Ber.
jjjr ' -^kad. d. Wiss., 1891, 1. Halbbd. Gewöhnlich nimmt man erst die Zeit um 750
rlelso13 '^'lntreffen von Kelten auf den Fáröem an. 2 Jakob Jakobsen, Keltisk Indfly-
paa Færöerne. Thorshavn 1902. 2 Nach Zimmer schon um das Jahr 770, nach
all teroerne. inorsnavn
Senieiner Auffassung erst 861.
U' Islandfreunde XI, 3/4