Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Síða 18
Norwegische Wikinger besiedelten auch die umliegenden Gebiete, die Orkney- und Shet-
landinseln, Nordschottland (Caithness), die Hebriden, Island und die Kiisten Grönlands.
Die lebhafte Neigung dieser Auswanderer, die Namen ihrer Heimat in die neubesiedelten
Lánder zu iibertragen und dort einzupflanzen, ist heute noch in den meisten topogra-
phischen Namen zu erkennen. So rein wie auf Island und den Fáröern haben sie sich
allerdings in den zu Grofibritannien gehörigen Gebieten nicht erhalten, wo sie anglisiert
und meist verstummelt wurden. Auch hier ist die Mischung mit kcltischen Namen, die
auf Island und den Fáröern ganz zurucktreten, viel stárker. Alle Insclnamen der Fáröer,
mit Ausnahme von Dimon, sind altnordischen Ursprungs. Die meisten Namen der be-
wohnten Inseln sind mit dem Worte oy (altnord. ey, dán. ö), Insel, gebildet. Die Fáringer
nennen ihre Heimat oft auch nur Oyggjarnar, die Inseln; oy ist eine dichterische Ver-
kúrzung von oyggj und kommt sonst nur in Zusammensetzungen vor. Von den Namen
der bewohnten Inseln sind nur Mykjunes, Vágar, Koltur und Hestur ohne die Silbe
oy gebildet. Im Gegensatz zur bewohnten Insel heiGt ein unbewohntes Eiland hóltnur,
dán. holm. Nur eine dieser nicht besiedelten kleinen Inseln fúhrt nicht die Bezeichnung
Holm, d. i. die Insel Tröllhöddi (dán. Trolhoved, das Trollenhaupt, Riesenhaupt). Ilolmc
héiGen auch die unbewohnten Eilande der Shetland- und Orkneyinseln.
In Norwegen spricht man von „det nordenfjeldske" (fyrir norðan fjall) und „det sön-
denfjeldske" (fyrir sunnan fjall), dem Lande nördlich und sudlich vom Gebirge, d. b-
dem Dovrefjeld, und von „det vestenfjeldske" und „det östenfjeldske", dem Lande west-
lich und östlich von den Erhebungen und Hochfláchen, die im allgemeinen den Gesaint-
namen „Langfjeldene" tragen. Eine áhnliche Einteilung haben die Wikinger auch auf
die Fáröer úbertragen, wo man frúher von den Inseln „fyri norðan fjall" sprach, worunter
man die Nordostgruppe der Fáröer verstand, die heute noch Norðuroyggjar (altnord-
Norðreyjar, dán. Norderöerne, die Nordinseln) heiGen. Ihnen stehen gegenúber die Inseln
„fyri sunnan fjörd" oder wie man jetzt meist sagt „söndenf jörds", súdlich vom Fjord, d. b-
vom Skoþenfjord, einer Dialektgrenze, die Sandö, Skuö, Suderö und die beiden Dinion
von Strömö, Hestö und den úbrigen weiter nördlich gelegenen Inseln trennt. Im Gegen-
satze dazu nennt man diese dann „nordcnfjords" (fyri norðan fjörd). Die súdlichste der
Inseln söndenfjords ist Suderö oder Syderö (altnord. Suðrey, fár. Suðuroy, die Súdinsel)-
Die heutigen dánischen Namen auf den Fáröern sind danisiertc Formen der altfárischen
Namen, und viele dieser heute allgemein gebrauchten Bezeichnungen sind willktirlich
und oft falsch gebildet worden. Die richtige dánische Form íúr Suderö múGte Sönderö
oder Sydö lauten. Der Name Suðrey steht in einem gewissen Gegensatze zu den Fáröern
úberhaupt, denn Suðreyjar (Syderöerne, Suduröer, Söderöar), Súdinseln, hieGen bei deö
Wikingern die Hebriden, die sie von den Shetland- und Orkneyinseln, also von Norden
her crreichten. In dem Namen Suðreyjar waren selbst noch die Inseln Man und Anglesey
mit inbegriffen. Spáter teUte man die Hebriden wieder in zwei Gruppen, Suðreyíar’
die Inseln stidlich von MuU, und Norðreyjar, Mull und alle Inseln nördlich davon. DlC
Kelten nannten sie Inseln der Fremden, also der Wikinger. Suðrey (Southay) ist aucb
eine der Orkneyinseln.
Das súdlichste Eiland der Fáröer ist die Klippe Munken1 (Monken, Monachus, deí
Mönch). Altnordisch heiGt sie Munkrinn, fárisch Sunnbíjar Steinur (Sumbö-Stein), nacb
Sunnböur (Sumbö), der súdlichsten Siedlung der Fáröer. Nördlich von den beideú
Dimon liegen Skuö und Sandö. Skuö (altnord. Skúfey, fár. Skúvoy oder Skúgvoy) 1S^
wie viele Stellen der Fáröer nach einem Vogel benannt. Skúgvur oder Skúvur, dán-
Skue, heiGt die Riesenraubmöve (lcstris catarrhactes), die einst in groGen Mengen aU
der bis zu 393 m hohen westlichen Steilkúste, einem „Vogclberge" dieser Insel nistete-
Dieser Vogel hat auch verschiedenen anderen Stellen der Fáröer ihren Namen gegebeu-
Jenseits des Skuöfjordes liegt Sandö (altnord. Sandey, fár. Sandoy), die Sandinsel-
Den bedeutenden Sandmassen, die die Fluten des Sands Vágur (altnord. Sandsfjörðr)i
der Sandbucht, an der Ktiste angeschwemmt haben, verdankt die Insel ihren Narnen-
1 Siehe Mitt. d. Islandfreunde VII, 1919/20, 68—71.
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