Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Síða 19
or Wind hat den Sand zu einer ziemlich groBen Diine aufgeweht, der einzigen auf den
aröern, und dadurch eine friihere Meeresbucht, das jetzige Sands Vatn, von der See
abgesperrt. Auch jetzt noch treibt er den Sand von der Diine in den See und schiittet ihn
langsam zu. Solche Sandmengen sind an den Kiisten der Fáröer seltene Erscheinungen,
a ^ie Kiisten meist Steilwande sind, die unmittelbar aus bedeutenden Meerestiefen an-
^eigen und keinen Vorstrand besitzen. Nur an geschiitzten Kiisten, dem Inneren der
')orde und an einigen Stellen der MeeresstraBen können sich Sedimente absetzen. Die
eltenheit solcher Sandkiisten veranlaBte die Wikinger, die ganze Insel, die Bucht, den
hee und die hier entstehende Siedelung danach zu benennen. Das Wort sandur (plur.
Sandar) hat auf den Fáröern nichts mit dem Begriffe zu tun, den es in der Glaziologie
c“Ommen hat. Die Fáröer sind ein Gebiet glazialer Ausráumung, niclit glazialer Auf-
Sehuttung, und Sandar in glazialem Sinne, wie sie besonders auf Sud-Island groBartig
°atwickelt sind, woher aucli der Name fur diese Erscheinung stammt, wird man hier
v°rgebens suchen. Nach Sandablagerungen an Kiisten sind auf den Fáröern auch meli-
nere Siedlungen benannt, wie Langesand (Langisandur) an der Ostkuste von Strömö,
andevaag (Sandavágur) auf Vaagö, Sand auf Sandö und Sandvig (Sandvík) auf Suderö.
andvig ist der alte Name des Ortes und der Buclit, die bis zum Jahre 1914 Kvalvig
vWvalvík, Walbucht) hieB und seitdem erst wieder ihren urspi ungliclien Namen fuhrt.
andur bezeichnet aber nicht nur losen Meeressand, sondern auch Schutt und Grus auf
en Plateaubergen, auf denen der Basalt zu Grus und Sand verwittert. Auf diese Weise
Slnd die mit Sand zusammengesetzten Bergnamen zu deuten. Sandinseln gibt es auch in
er Gruppe der Orkneys (Sanday), der inneren Hebriden (bei Canna Isle) und eine
andey (heute Sanda) an der Sudspitze von Kintvre, Westschottland. Der Name Sandö
mdet sich auch mehrmals an der norwegischen Kiiste.
Nördlich von Sandö liegt die Hauptinsel Sirömö, altnord. Straumey oder Straumsey,
ar. Streymoy. Sie wird manchmal auch Miðjumland (Hauptland, eigentlich Mittelland)
8®nannt. Die „Strominsel" ist benannt nach der starken Meeresströmung (viö streym),
le im Sundini (dán. Sundene), der engen MecresstraBe zwischen Strömö und Österö
01 Plnt nach NNW und bei Ebbe nach SSO setzt. Diese Gezeitenströmung erreicht an
er engstcn Stelle der MeeresstraBe, dem Sundalagið (dán. Sundelaget), eine Stunden-
Scschwindigkeit bis zu 22 km. Solche starke Gezeitenströmungen haben manchen Inseln
re Namen gegeben. Strömö heiBt eine Insel an der norwegischen Kuste bei Bodö.
ekannt ist Strom.a (altnord. Straumsey) im Pentland Firth, nahe der Nordkuste von
chottland bei Duncansbay Head. Stromay heiBt eine der áuBeren Hebriden im Sund
0 Harris an der Sudwestkiiste von Harris-Lewis. Straumsey im Straumsfjörðr nannten
le Wikinger eine Insel an der Ostkuste Nordamerikas, worunter man wohl eine
nsel im Gut of Canso zwischen Neuschottland und der Kap-Breton-Insel zu verstehen
ar- Nacli Steensby ist Straumsey die Hare Island im Lorenzgolf. Nach Strömö benennt
rldt1 das alte Landgebiet der Fáröer zusammen mit dem mit ihnen einst verbundenen
Hseneiland Rockall „Strömis".
,.Zu beiden Seiten von Suðurstreymoy (Sádströmö) liegen die kleinen Inseln Hestö,
°lter und Nolsö. Hestö (altnord. Hestr, fár. Hestur) ist die „Pferdeinsel", weil die
KSestreckte und hohe Insel von der Seitc geselien einem Pferderiicken áhnelt. Der
nie hestur (Pferd) findet sich auf den Fáröern in Bergnamen und anderen Bezeich-
’ngen öfters. Ein ahnlicher Vergleich hat dem Hengst seinen Namen gegeben, wie
pr 'er 0111 Felspfeiler vor der Nordspitze von Helgoland liieB, der 1860 eingesturzt ist.
^nrde auch Nathurn (Nordhorn) Stack genannt und hatte ein Felsentor, so daB er
ein Pferd auf Beinen im Wasser stand2. Kolter (seltener Kolterö, altnord. Skoltr
e| er Skoltur, fár. Koltur) heiBt „Bergklumpen, BergkloB". Ihr wcstlicher Teil bildet
..—2!? máchtigen Berg, Kolturs Hamar, der mit einer 447 m hohen Wand zum Ozean
^.Handbuch der Paláogeographie I, 2, 471 und 473, Karte der positiven und negativen
, enicnte in Europa. 2 An der norwegischen Kuste liegt unter dem Polarkreis die Hest-
naö, die einem in seinen Mantel gehiillten Reiter gleicht.
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