Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Page 20

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absturzt. Auf den Shetlandinseln findet sich in Conningsburgh der Berg Kultersfell. dessen Name dasselbe bedeutet. Nolsö (seltener Naalsö, altnord. Norsey, fár. Nólsoy oder Nölsoy) wird meist als „Nadelinsel" erklárt, weil sie lang und schmal ist und an ihrer Siidspitze bei Borin eine Brandungshöhle liegt, die durch die Insel hindurchgeht und gleichsam das Öhr der Nadel bilden soll. Diese Deutung ist nicht richtig, da die Insel sonst fárisch Nálsoy heiBen miiBte. Im Jahre 1400 hieB sie noch Norsoy. Norr heiBt ,,eng, schmal“ und diese Bezeichnung bezieht sich auf die Stclle, wo auf einer niedrigen Landenge (eið) die einzige Siedlung der Insel, Nolsö Bygd, liegt. Von hier aus verbreitert sie sich nach Norden zu wieder etwas zu der Halbinsel Stongin (der Stange). Nolsö ist also die „enge, schmale Insel". Vaagö und Myggenæs liegen westlich von Strömö. Vaagö (altnord. und far. Vágar) wird auch manchmal Meginland (Hauptland) genannt im Gegensatz zu der kleineren Insel Myggenæs. Meginland ist dasselbe Wort wie Mainland, wie die gröBten der Shet- land- und Orkneyinseln heiBen. Vaagö ist die „Buchteninsel". Fár. vágar ist fem. plur. und bedeutet „Buchten". Drei Einbuchtungen greifen in die Insel ein, im Siiden Mid- vaag (Miðvágr, Miðvágur) und Sandevaag (Sandavágur) und im Westen Sörvaag (Sör- vágur, Seyrvágr). Auf Vaagö Uegt der gröBte See dcr Fáröer, Sörvaag Vand (Sörvágs Vatn, auch Leitis Vatn oder nur Vatn genannt); er liegt in der siidlichen Mitte von Vaagö und durch ihn teilte man friiher auch die Insel ein in Vestrvágar, Austrvágar und fyri uttan vatn. Das Wort vágur (kleine Bucht) ist in vielen topographischen Namen enthalten, wie in denen der Siedlungen Midvaag, Sandevaag und Sörvaag auf Vaagö, Trangisvaag (Trongisvágur) und Vaag (Vágur) auf Suderö und Vaag auf Bordö, einem Ortsteil des heutigen Klaksvig. In der Form Voe findet sich Vaag mehrmals auf den Shetlandsinseln. Vaagö und Vestvaagö sind Inseln in der Gruppe der Lofoten, in deren Suden eine andere kleine Inselgruppe Vaagö liegt. Myggenœs (altnord. Mökenes oder Mökjanes, fár. Mykjuness, Mykines oder Mikines) und Mykiness Hólmur sind die west- lichsten der Fáröer. Der dánische Name Myggenæs ist unrichtig gebildet; er miiBte richtig Mögenæs heiBen, wie man ihn auch auf manchen Karten findet. Im Jahre 1400 hieB die Insel Mykiness; myki (mykr oder mykja) bcdeutet „Mist". Es handelt sich dabei aber wohl nicht um den Mist von Haustieren, sondern um den Guano der Seevögel, die zu vielen Tausenden gerade an den Steilkiisten dieser Inseln nisten und deren Ex- kremente die Wánde weiB gefárbt haben. Östlich von Strömö liegt jenscits des schmalen Sundini die groBe Insel Österö (altnord. Austrey, fár. Eysturoy). Ihrer Lage nach zu Strömö, der wichtigsten der Fáröer, ist sie die „Ostinsel"1. Die Nordostgruppe bilden die Norðuroyggjar (Norderöerne) mit Kalsö, Kunö, Bordö, Viderö, Svinö und Fuglö. Sie werden von Österö durch eine MeeresstraBe getrennt, die im Suden Lervigfjord (Leirvíks Fjörður, Lagarvfkrfjörðr), im Norden Djupene (Djú- pini, á Djúpun, die tiefe MeeresstraBe) und Kalsoyarflógvi (Kalsömiindung) heiBt. Kalsö und Kunö gehören zusammen und haben ihre Namen von ihren verschiedenem Aussehen erlialten. Kalsö (altnord. Karlsey, fár. Kalsoy, Kallsoy) ist die schlankste aller Inseln; sie ist lang, schmal und hoch und bildet einen Gegensatz zur benachbarten Kunö, die kiirzer und breiter ist. Deshalb ist Kalsö die „Manns-Insel" (kallur oder kall, der Mann, Kerl), wáhrend Kunö oder Konö (altnord. Kúney, fár. Kunoy oder Konoy) die „Frauen- insel" ist (kona die Krau). Vor Nesstindur, der Nordspitze von Kalsö, steht ein 49 ® hoher Felsen, Kallur genannt, und nahe dabei liegt die Klippe Kallsfles. Vor der 820 ® hohen Steilkiiste des Nordendes von Kunö (Kunoyar Nakkur) steht das Gegenstúck dazu, der 66 m hohe Pfeiler Konan, die Frau. Zwei áhnliche hohe Klippen, Risin und Kellingin (der Riese und das alte Weib) stehen vor der Nordkúste von Österö. Wáhrend Risin lang und schmal ist, hat Kellingin einen gröBeren Umfang und ist breiter. Kallur und Kona finden sich in verschiedenen geographischen Namen der Fáröer. Es handelt sich meist um Berge, Felsen und Klippen, denen der Volksmund das Aussehen von Mánnern 1 Österö heiBt eine Insel an der norwegischen Kúste bei Bergen zwischen Sörfjord und Osterfjord. 48

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