Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Side 21
und Frauen nachsagt und an die sich oft alte Sagen kniipfen. Kalsö hciCt auch eine
Weine Insel siidlich der Lofoten.
Jenseits des Haraldsundes liegt die auffallend gestaltete Insel Bordö (seltener Borö,
'dtnord. Borðey, fár. Borðoy). In sie greifen von Norden die Bucht Vaag (Vágur), von Siiden
Bordö Vig (Borðoyar Vík) und Arnefjord (Arnafjörður) tief ein und zerlappen ihre Siid-
halfte, áhnlich der Halbinsel Chalkidike, in drei weit ausgreifende Halbinseln, wahrend
nördliche Halfte ein langes geschlossenes Ganze bildet. Diese merkwiirdige Gestalt
*°U ihr den Namen gegeben liaben, indem man sie mit einer Gabel, und zwar mit einer
"tistgabel verglich, deren drei Zinken von den Halbinseln im Siiden, der Stiel von dem
hördlichen Teil der Insel gebildet wird. Altnord. barð (borð) bedeutet Kante, Rand,
v°rspringende Bergkante, hohe Landspitze, hohes Vorgebirge. Die drei hohen Vor-
gebirge, in die Bordö nach Siiden auslauft, haben ihr also den Namen gegeben. Auch
^as hohe Siidende von Nolsö hciöt Borðan. Bard, Bord, Bordek und Borr sind Namen
Ur vorspringende Berge und Vorgebirge auf den Shetlandinseln.
Jenseits des schmalen Kvannesundes liegt Viderö (seltener Vidö, Viddö, Viö oder
''iderö, altnor. Viðey, fár. Viðoy). Auch dieser Name ist dánisch falsch gebildet
w°rden; er miiBtc richtig Vedö heiBen. Viderö ist die Holz- oder Bauminsel (viður),
^°ch deutet der Name nicht etwa auf Baumwuchs hin, sondern auíTreibholz (viðr). Auch
Vlderö ist wie die anderen Inseln baumlos und hat auch niemals Baumwuchs gehabt.
^n der Ostseite der Insel liegt die Vedvig (Viðvík), die Treibholzbucht. Auf den Shet-
and- und Orkneyinseln gibt es ebeníalls solche Treibholzbuchten (Woodwick und Weid-
Wlck), Als die Ufer der amerikanischen Ströme nocli dicht bewaldet waren, brachte
öer Golfstrom groBe Mengen von Treibholz, oft ganze Baumstámme an die Kiisten der
nordischen Inseln, xlie den Bewohnern natiirlich sehr willkommen waren. Gerade die
Vedvig war reicli an Treibholz und auch heute noch findet man an den Ufern der Buchten
arr|erikanisches Treibholz, manchmal ziemlich groBe, von Bohrmuscheln durchlöcherte
“aumstámme. Bei Khkebö und Nordredal auf Strömö und bei Ejde auf Österö wird
namentlich im Februar und Márz oft Treibholz angetrieben. Im Sommer des Jahres
i8i7 erreichte die Kiisten der Fáröer das Vorderteil eines aus Mahagoniholz (fár. reyði-
Vlður, Rotholz) gebauten indianischen Kanus, das ganz von Phocaden durchbohrt war,
Und 1844 fand Kapitán Irminger vor Kirkebö eine Menge groBer Baumstámme, die
111 an zu Brettern und Balken zerschnitt und als Bauholz benutzte. Auch das Holz ge-
strandeter Schiffe wurde friiher von den Fáringern mit zum Bauen verwendet. Seit
alten Zeiten bauen die Inselbewohner ihre Háuser aus Holz, da diese in einem so kiihl-
íenchten Klima wármer und trockener sind und den heítigen Stiirmen besser nach-
8eben als Steinháuser. Ohne die Mengen des angetriebenen Holzes wáre in friiheren
^e>ten der Holzbau unmöglich gewesen und auch die Herstellung der von den Fáringern
stándig gebrauchten Boote wurde einst durch das Treibholz ermöglicht. Heute wird
t*as meiste Holz zum Bauen der Háuser und Boote von Norwegen eingefuhrt.
öie háufigsten Treibprodukte, die an die Kiisten der Fáröer gelangen, sind die Fruchte
"nd Samen tropischer amerikanischer Gewáchse wie Mimosa scandens, Piscidia ery-
hrina, Cocos nucifera, Curcurbita lagenaria, Cassia fistula und Anacardium occidentale.
10 Bohnen von Mimosa scandens und die Riesenschoten der westindischen Hulsen-
rucht Entada gigalobium, einer an den Bachufern der Antillen háufigen Mimosacee,
Slnd auf den Fáröern seit altersher als „Vettenyre" (Koboldsniere) bekannt und wurden
ruher haufig zu Tabaksdosen verarbeitet. Sie werden auch an den Kusten Norwegens
'jnd Spitzbergens angetrieben. Es waxe nicht unmöglich, daB ein Teil des Treibholzes,
as die Fáröer und besonders deren nördliche Buchten erreicht, aus Sibirien stammt.
. C:*tannt ist, daB an die Nordkiiste von Island sibirisches Holz angetrieben wird. Da
er ostislándische Strom bis nahe an die Fáröer hinzieht, so könnte das sibirische Holz
Wohl auch bis dort hingelangen. Nach Russell Jeaffreson1 soll das Treibholz in der
Kárte der Faröer in seinem Werke „The Faroe Islands". London 1898.
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