Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Qupperneq 22
Vedvig auf Viderö tatsáchlich von dort herstammen. Auch andere Stellen der fárischen
Kusten hahen nach dem Treibholz ihre Namen erhalten1.
Östlich von Vidcrö liegt Svinö (altnord. Svíney, fár. Svínoy), die „Schweinsinsel"-
Der Name, wie auch vlele anderc topographische Bezeichnungen der Fáröer, die auf
dieses Haustier hindeuten, mag wenig begriindet erscheinen, da es auf den Inseln so
gut wie keine Schweine gibt. Nach den Viehzáhlungen von 1893, 1898, 1903, 1909 und
1914 fanden sich auf den Fáröern nur 1, 3, 15, 58 und 6 Schweine, gegeniiber rund
100000 Schafen. Die Fáringcr können keine Schweinezucht treiben, weil sie die Tiere
nicht ernáhren können, wáhrend die Inseln sich infolge ihres iippigen Graswuchses vor-
trefflich zur Schafzucht eignen. Vielleicht deuten manche der zahlreichen Namen, die
mit dem Worte svín zusammengesetzt sind, darauf hin, dafi dieses Tier einst wie auf
Island auch auf den Fáröern eine gröBere Verbreitung hatte. Viel wahrscheinlicher
aber ist, daB Svinö und andere hier gehörige Namen ihren Ursprung alten Sagen ver-
danken. Es gibt auf den Fáröern mehrere Sagen, die berichten, dafl Svinö und Myg-
genæs einst schwimmende Inseln waren, und nach Debes2 habe man fruher öfters bei
den Fáröern eine schwimmende Insel gesehen, die aber niemand erreichen konnte.
Solche Sagen von Inseln und Lándern, die verschwunden sind oder sich gleich den
Huldenlándern nach einer anderen Stelle hin versetzt habcn, findet man auch in vielen
anderen Gegenden3. Svinö ist eine solche Huldeninsel, deren Zauber nur dadurch ge-
brochen werden konnte, dafl jemand Feuer oder Stahl zu ihr hinbrachte, was aber fiir
Menschen gefáhrlich war. Deshalb liefl man dies meist durch Haustiere tun, die man
zu einer solchen Insel hiniiberschwimmen liefl. Oft war es ein Schwein, besonders eine
Sau, die nach der Huldeninsel hiniiberschwimmen muflte. Viele dieser Inseln tragen
deshalb Tiernamen. Wahrscheinlich war der Tiername der Insel das Urspriingliche
wegen ihrer Álinlichkeit mit einer Tiergestalt oder aus anderen Griinden, und die Sage
wird erst spáter daran angeknupft haben. Aufler den zahlreichen mit dem Worte svín
zusammengesetzten Namen gehören auch die mit grisur (Ferkel), galii (verschnittenes
Schwein) und purha (Schwein, Sau) hierher. Porkere (fár. Porkeri) ist eine Siedlung arn
Vaagfjord auf Suderö. Der Name ist verlcurzt aus Purkugerði (Einfriedigung fiir Schwei-
ne). Es ist möglich, dafl die Schweinezucht auf den Fáröern noch auf keltische Zeiten
zuruckgeht. Porkersvatn ist ein kleiner See auf Siidströmö, und auf Kunö gibt es ein
Purkhús. Auf Island gehen die mit svín zusammengesetzten Namen tatsáchlich auf
Schweinezucht zuriick, die in der Sagazeit eine wichtige Rolle spielte, wáhrend es heute
dort keine Schweine mehr gibt. Eine Schweinsinsel haben auch die Orkneys (Swanay>
altnord. Svíney).
Die am weitesten östlich gelegene und deshalb bei schwerem Wetter oft nicht zu er-
reichende Insel ist Fuglö (altnord. Fugley, fár. Fugloy). Die náchstliegende Erklárung
dieses Namens wáre „Vogelinsel". An ihren Steilkiisten nisten in Vogelbergen zwar
vicle Seevögel, doch sind sie nicht zahlreicher als an den Kiisten anderer Inseln, so dafl
kein Grund vorhanden ist, gerade diesen Teil der Fáröer als Vogelinsel zu bezeichnen.
Wahrscheinlicher ist, dafl Fuglö die „abseits liegende Insel" bedeutet. Von den Shet-
landinseln heiflt die am weitesten im Westen, abseits von den iibrigen liegende Insel
Foula (urspriinglich Fugla, altnord. Fugley). Friiher hiefl sie auch Uttrie (ytra oy), die
áuBere, weit drauBen liegende Insel. Diese Namen finden sich auch an der norwegischen
Kiiste, wo es Inseln gibt, die Ytteröen, Ytteröerne und weit drauBen liegende Klippen,
die Fuglen heiflen, z. B. Nord-Fuglen oder Fuglö, nordöstlich von Tromsö und Fuglö,
siidwestlich von Bodö. Man verglich sie mit Vögeln, die weit abseits von der Kuste im
Meere schwimmen. An der islándischen Kiiste liegen vor der Halbinsel Reykjanes die
kleinen Inseln Fuglasker (Fuglacyjar), und die sudlichste der Vestmannaeyjar fiihrt
1 Die Erklárung Baumgartners, Viderö bedeute „Weideninsel" oder „Nebeninsel" (von
isl. við) sind unwahrscheinlich. 1 Færoæ et Færoa rescrata. _ Iíopenhagen 1673, 19 tí-
Hammershaimb, Fárösk Anthologi I, Kopenhagen 1891, 352—354. 3 Nansen, Nebel-
heim I, 404, 405 und 408.
50