Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Qupperneq 25
wurde. Wie viele Fátingcr auBer Joannes Patursson die Vereinigung der Inselgruppe
Norwegen wiinschen' laöt sich nicht so ohne weiteres feststellen.
Man tut vielleicht gut, wenn man der Forderung auf Vereinigung mit Norwegen vor-
'Vlegend taktische Bedeutung beimiBt, und zwar sowohl auf norwegischer Seite, wo man
h°fft, dadurch einen Druck auf Dánemark ij der Grönlandfrage ausiiben zu können,
Ms auch auf fárischer Seite, wo man vielleicht derMeinung ist, durch eine Fiihlungnahme
^it Norwegen den Forderungen an die dánische Regierung gröBeren Nachdruck verleihen
Zu können. Wie denn uberhaupt angenommen werden darf, daB die gegenwártig auf
den Fáröern gegcniiber Dánemark bestehende MiBstimmung weniger die Folge der be-
stehenden gesetzlichen Bestimmungen ist, als eine Folge der nicht immer ganz geschick-
ten Amtsfiilirung des fruheren Amtmanns der Fáröer, des jetzigen dánischen Justiz-
^inisters Rytter. Ob es von den Kreisen um Joannes Patursson richtig war, sich in das
Fahrwasser des norwegischen Nationalismus zu begeben, soll hier nicht untersucht wer-
deu, zumal die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist.
Es ist wohl anzunehmen, daB die Inselgruppe mit ihren wenig mehr als 20 000 Ein-
v’ohnern bei Dánemark bleiben wird, daB aber ihre durch ihre Sprache, Kultur, ihre
'"’irtschaftliche und geographische Lage begrundeten Sonderwiinsche mehr als bisher be-
rueksichtigt werden, áhnlich wie es bei Island geschehen ist, wenn auch nicht in so weit-
Sehendem MaBe.
Halle a. S. S. Remertz
VII. HUNDERT JAHRE DEUTSCHE ISLAND-
FORSCHUNG
S (1819—1923)
eit reichlich 100 Jahren haben deutsche Forscher mit ziemlicher RegelmáBigkeit
Island besucht und mit rastlosem Eifer die Kenntnisse iiber das Land auf den ver-
schiedensten Wissensgebieten erweitert und vertieft. Die meisten Forschungen galten
der Naturwissenschaft, Geographie, Geologie, namentlich Vulkan- und Gletscherkunde,
Zoologie, namentlich Vogelkunde, Botanik, Mineralogie, Meteorologie usw., doch manche
auch der Volkskunde, Sprach- und Literaturwissenschaft, Rechtskunde, Politik, Volks-
"’irtschaft usw. Nachstehende chronologische Aufstellung möchte eine Úbersicht uber
dle gesamte deutsche Forschung auf Island geben, sofern sie sich in Reisen nach Island
^urt wissenschaftlichen Zwecken verkörperte. Den Namen sind die wichtigsten in Be-
tracht kommenden Forschungsfácher beigefiigt, ebenso die besuchten Gegenden, sofern
Sle erheblich abseits der ublichen Reisewege lagen. Sport- und sonstige Reisen ohne
"'issenschaftliche Ziele oder Ertrágnisse sind nicht beriicksichtigt. Etwaige Ergánzungen
zu dcm Verzeichnisse sind willkommen.
l8l9. Johannes Menge. Mineralogie. Úber den Kjölur.
l8zi- Friedr. Aag. Ludw. Thienemann und Gust. Biedermann Giinther. Zoologie u. Bota-
nik. GroBe Rundreise, auch Sudkuste.
l833- Otto Ludw. Krug von Nidda. Geologie. Auch Sudkiiste.
i84ö. Robert Bunsen und Wilh. Sartorius von Waitershausen. Chemié, Geysirforschung,
G( ologie. Sprengisandur.
l856. Otto Staudinger. Insektenforschung. Theobald Krúper. Vogelforschung. /. Fin-
slerwalder. Botanik.
I858. Gustav Georg Winklcr. Geologie. Sprengisandur. Konrad Maurer. Volkskunde,
Rechtskunde, Sprache, Literatur.
Iíí(j°. Ferd. Zirkel. Mineralogie; mit William Preyer (geb. in England, Prof. in Bonn,
Jena, Berlin). Zoologie. Sprengisandur.
i883- Konrad Keilhack und C. W. Schmidt. Geologie. Sudkiiste. Alexander Baum-
gartner. Literaturforschung, allgem. Kultur.
l887- Ferd. Vetter (Deutsch-Schweizer). Eyjafjallajökull.
Otto Cahnheim und Karl Groflmann (1. Reise). Árzte, Geographie, Geologie, Lepra-
forschung.
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