Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Qupperneq 34

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1924, Qupperneq 34
9. Der Bischof von Island, Dr. Jón Helgason, war ciner Einladung zur 8oojáhrigen Festfeier des Doms in Lund gefolgt und wurde dort mit groBer Achtung behandelt. Dort wurde er aufgefordert, in Iíristiania an Stelle einer in der norwegischen „Volks- sprache" zu haltehden Predigt in islándischer Sprache zu predigen, als der gemeinsamen Muttersprache des germanischen Nordens. Die Kirche war dicht gefiillt; man begreift, daB dem Bischof eigenartig zumute war in dem BewuBtsein, daB nur ganz wenige der Anwesenden ihn ganz verstehen konnten. Jedenfalls herrschte gespannte Aufmerksam- keit. Am folgenden Tage stand in der Zeitung „Tidens Tegn"; „Alle waren eifrig dabei, als das Vaterunser gebetet wurde." Der Bischof meint dazu: „Sie hátten dasselbe sagen können, wie der Amtmann Bjarni Thorsteinsson einmal an Séra 'Arni in Garöar schrieb: Gestern war ich in der Kirche, das Vaterunser war das beste, was ich dort hörte." Ganz so schlimm wird es wohl nicht gewesen sein. XII. NACHRICHTEN YON DEN FÁRÖERN Eine neue Reederei „Dampskibselskabet Faeröerne" hat in England einen Dampfer von 800 Tonnen gekauft, der bisher auf dem Mittelmeer fulir. Er hat den Namen „Mýlingur1 erhalten und vermittelt monatlich einmal den Verkehr zwischen Kopenhagen, Leith und den Fáröern. Der bekannte Fuhrer der Selvstyrer Joannes Patursson hat im vergangenen Jahre wieder versucht, in Norwegen Stimmung dafur zu machen, die Fáröer von Dánemark loszureiBen und sie Norwegen anzugliedern. Der deutsche Kreuzer „Berlin" hat im August 1923 die Fáröer und Island besucht. — In Thorshavn ist ein Seemannsheim eröffnet worden, das auch Fremden als Hotel und Gasthaus dient. In den náchsten Jahren sollen verschiedene neue Strafien vollendet werden, so von Thorshavn nach Velbestad und Kirkebö, von Skopen nach Sand, Skaalcvig und Husevigi von Kollefjord nach Iívivig, von Sörvaag nach Midvaag und Sandevaag und von Kongs- havn nach Solmundefjord, Göte und Fuglefjord. Im vergangenen Jahre sind auf den Fáröern mehrere Automobile eingetroffen, die von Thorshavn und anderen Orten aus regelmáBige Fahrten unternehmen. In den letzten Jahren sind in fárischer Sprache mehrere neue Bucher erschienen, so u. a. von H.A. Djuurhus: Smásogur og æviutyr, Tórshavn 1922 (164 Seiten); Dr. Martin Luthers lítla Katekismus. Umsetthevur J. Dahl (Tórshavn, H.N. Jacobsens bókhandil)- Sálmarnir úr Gamla testámenti. Týddir av J. Dahl (Tórshavn 1921, 235 Seiten); Seyðarokt í Foroyum (tveir fyrilestrar hildnir um jólini 1919 norði i Vági av Jóanes bónda Palurssyni. 1. fyrilestur, útgivin av Foroya bóndafelag, 50 Seiten). In den Proceedings der American Philosophical Society, Bd. LXI, Nr. 2, 1922, S. I51 bis 166, veröffentlichte J. Dyneley Prince einen Aufsatz uber „The Faeroe language"- Die „Færoske Melodier til danske Kæmpeviser", gesammelt von Hjalmar Thuren und H. Griiner-Nielsen und mit einer historischen Einleitung versehen, sind mit Unterstiitzung des Carlsbergfonds neu herausgegeben worden (Verlag von J. H. Schultz in Kopenhagen)- In der „Tidskrift for Sovæsen" ist ein Aufsatz erschienen úber die álteste karlogra- phische Aufnahme der Fáröer im Jahrc 1650 durch Bagge Wandel. Sein Tagebuch und seine Fáröer-Karte werden dort wicder veröffentlicht. Es handelt sich dabei um die álteste dánische Karte der Inseln. Das von R. Rasmussen bei Neubauten in Thorshavn 1921 gesammelte gcologische Ma' terial wurde von Knud Jessen in Kopenhagen bearbeitet, der darúber eine Abhandlung „Et Profil gennem en Torvemoose paa Færoerne" veröffentlicht hat. Unter dem post- glazialen Torflager in Thorshavn wurde der Stamm einer Tanne oder Lárche gefunden, der dort angetrieben sein muB. Handelt es sich dabei tatsáchlich um eine Lárche, s° kann der Stamm nicht mit dem Golfstrom nach den Inseln gekommen sein, der sonst das meiste Treibholz dorthin fúhrt. Der Stamm kann nur von Norden her mit dem ost- islándischen Polarstrom angetrieben worden sein und stammt dann wahrscheinlich aus 62

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