Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Blaðsíða 4
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Nordkaphalbinsel wird mit gutem Erfolge Dorsch-, auch Heringsfischerei
getrieben; súdlich von der Trékyllisvík lebt man meist vom Haifang. Sind
die Buchten nur klein, die Berge hoch und der Kustensaum schmal, wie
am Nordkap und auf den nördlichen Hornstrandir bis etwa zum Furu-
fjörður, so lebt die Bevölkerung fast ausschliefilich von dem Ertrage, den
der Vogelberg an den steilen Kústenfelsen gewahrt.
Die Landschaft westlich vom Drangajökull unterscheidet sich, wenn
auch die Berggestaltung dieselbe ist wie die der Glámuhalbinsel, doch
wesentlich von ihr. Sie hat einen ausgepragt arktischen Charakter, fast
noch mehr als die Melrakkasljetta, die doch sogar an zwei Stellen den Polar-
kreis úberschreitet. Nirgends auf ganz Island reicht die Schneegrenze so
weit herunter wie hier. Man glaubt sich nach dem östlichen Grönland
versetzt, besonders an der Snæfjallaströnd und den Jökulfirðir. Auch
geologisch steht dieser Teil Islands mit Grönland in Verbindung, denn auch
an der östlichen Kúste Grönlands finden sich alte vulkanische Bildungen
(Otto Nordenskjöld, Die Polarwelt. Leipzig 1900).
Das Treibeis, das der Golfstrom von der Westkúste fernhalt und daS
nur selten das 'Isafjarðardjúp sperrt, ist in den nördlichen Fjorden ein
háufiger Gast und fúllt sie oft völlig aus. Ein besonders gefúrchteter Feind
ist es an der Hornkúste. Wie Eanganes und Melrakkasljetta ist die Dranga'
halbinsel, vor allem die Strandasýsla am meisten bedroht, vom Treibeise
blockiert zu werden (Thoroddsen, Island. Gotha 1906, S. 168). Zuweilen
ist fast die ganze Kúste eingeklammert, Schiffahrt und Fischerei hören auf.
und der ohnehin schon kúmmerliche Wohlstand ist völlig vernichtet. Iin
Jahre 1886 fand Thoroddsen auf den Hornstrandir noch Ende August
groCe Schneehaufen ungeschmolzen dicht am Strande, und Anfang Sep'
tember hatte man von Horn bis zum Steingrímsfjörður noch keinen Haliu
Heu getrocknet. Als Thoroddsen Ende Juli 1887 in Aðalvík reiste, trieb
drauBen das Eis hin und her, es schneite so stark, daB das Vieh hereiU'
geholt und eine Woche in Stállen untergebracht werden muBte. Im August
1902 sichtete der englische Kreuzer Bellona innerhalb 10 Sm Abstand
vom Nordkap Packeis und einen groBen Eisberg. Im April und Juni I9°3
wurde die Dampferfahrt am Kap Horn an einzelnen Tagen durch das GröU'
landeis vollstándig gehindert. Treibt das Eis auBen vor der Kúste hin
und her, so herrscht unbestándiges Wetter und starker Sturm, liegt eS
aber fest am Lande, so tritt immer stilles ruhiges Wetter ein, vielleicht
taut es einige Tage, aber niemals anhaltend, eher wird es kálter. Da ö.ie
Hornkúste so oft und viel vom Treibeise heimgesucht wird, kommen zU'
weilen Eisbáren als unwillkommene Gáste, doch richten sie keinen groBe11
Schaden an, wenigstens jetzt nicht mehr. Im Jahre 1321 tötete ein Eisba1
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