Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Qupperneq 25
Englandfahrt dorthin verschlagen wurde und der in Froöböurr auf Suöuroy Iandete
und eine Ansiedlung — höchstwahrscheinlich die alteste auf den Inseln — griindete.
Sein Hof „á Laði" steht heute noch. Vielleicht steht diese Erzahlung in Verbindung
damit, daB zu dieser Zeit — der Sage nach — eine bliihende friesische Ansiedlung dort
war, auf der noch lange nach der Christianisierung der Eilande den Heidengöttern ge-
opfert wurde. Auf Suðuroy zeigt man noch heute den Ort, wo die Verschanzung war:
Akrabirgi (nach Hammershaimb-Jakobsen), Akrabyrgi (nach Bruun).
Besonders auf den Inseln siidlich des Skopunfjordes hat die Bevölkerung (ein Viertel
der ganzen) lebhaftes Temperament, spielende Augen, schwarzes oder dunkelbraunes
Haar und untersetzten Körperbau. Die kurzschalige Schadelform ist besonders auf
Suðuroy herrschend im Gegensatz zur langschaligen auf den nördlichen Inseln. Jakobsen
meint, daB auf Suðuroy wahrscheinlich eine Völkermischung, am ehesten von keltischem
und norwegischem Blute, vorliegt. — Aber die Anthropologen haben noch nicht das
letzte Wort gesprochen. Der norwegische Brigadearzt C. Arbo, welcher sich auf die
Untersuchungen der faroyischen Arzte Berg, Hansted, Hoff und Lund stiitzt, meint
keltischen Bluteinschlag feststellen zu können. Der Anthropologe Sören Hansen, der
neuere Untersuchungen behandelt hat, unter anderen von Dr. F. Jörgensen, versucht
nachzuweisen, daB die Bevölkerung auf Suðuroy homogen sei und keine beweisbare Spur
fremden Einschlages nachweisbar sei. Nach ihm stammen die Föroyinger von den Nor-
wegern ab und sind ohne nennenswerte Mischung mit fremden Elementen.
Die Föroyinger haben nicht nur ihre Sprache bewahrt, die seit einigen Jahrzehnten
wieder meist in Kirche, Schule und „Lagting" angewendet wird und in welcher 16 Zei-
tungen und Zeitschriften erscheinen, sondern auch ihre alten Reigen- und Kettentanze.
Den Hochsitz aber hat „Foroyamál" in der Volkshochschule inTórshavn! —Schon
allein die Sammlung Blochs und Grundtvigs „Fáoya Kvædi, Corpus Carminum Færöen-
sium" und Hammershaimbs „Færysk Anthologi" zeugen von der Dichtung des lebens-
ttichtigen Brudervolkes.
Ich möchte an dieser Stelle auch des am 2. Mai 1926 verstorbenen Bauerndichters
„Kvívíks- Jógvan" gedenken, der besonders von seinem 50. bis 83. Lebensjahre eifrig
fiir seine Muttersprache kámpfte. Ehre sei seinem Andenken! —
Die innige Vaterlands- und Stammesliebe wird durch herrliche Gedichte ausgedriickt.
Um ein Beispiel zu geben, iibersetze ich im gleichen VersmaBe Petersens „Hvat kann röra
hjartastreingir ?"
Was kann riihren Herzens Saite ?
Was kann kr&ftigen zum Streite ?
Nur die Muttersprach’!
Was hilft dir in Sorg’ versunken ?
Was kann ziinden Freudefunken ?
Nur die Muttersprach’!
Höret ihr die Brandung brausen ?
Hört ihr Sturm auf Bergen sausen?
Das ist Föroysprach’!
Höret ihr die Wasser springen
Und in Klippen Zwerge singen ?
Das ist Föroysprach’!
Hört ihr froh die Lámmer blöken
Und im Hag die Vögel flöten ?
Das ist Föroysprach’!
Hört ihr fiir die gute Beute
Dankgesang der Fischersleute ?
Das ist Föroysprach’!