Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Blaðsíða 19
den isolierten Skáladalur mit einem Hof darinnen, kinter dem sich eine
Muster-Karnische auftut, halten kurze Zeit in Sæból an der Siidseite, wo
etwa sechs Gehöfte liegen, und fahren dann direkt hinuber nach Látravík an
der Nordseite. Im Grunde der Bucht liegt ein auffallend hoher Abhang mit
gelbem Sande; uberall werden reiche Mengen getrockneter Fische an Bord
gebracht. Ein sanfter Goldbronceton legt sich von dem dunkeln Basalt auf
das weiBe Gekráusel des stahlblauen Meeres, trotz vorgerúckter Stunde ist
es hell und warm, die Táler prangen in frischem, frohem Grún, die Nieder-
lassungen sehen so sauber und ansehnlich aus — jetzt glaubt man nicht mehr
auf dem grönlándischen Island zu sein, wenn auch unmittelbar neben einem
modernen Hause mit Veranda der Schnee bis an den Strand reicht. Von
Straumnes bisKögur bleiben wir auf offener See und befahren weder dieRe-
kavík noch das Fljót. Von Kögur ziekt sich dann die Kúste in östlicher Rich-
tung auf Kap Horn zu. Wir gehen (nachts Ugð Uhr) direkt nach Heljarvík,
so daB die Almenningar vestri, wo kúrzlich 2000 FuB ú. M. einmal wieder
gute Kohle gefunden sein soll, und die Hlöðuvík súdlich von uns bleiben.
(SchluB folgt)
III. NORDISTEN-TAGTJNG IN LÚBECK
om 27.—29. Juni 1928 war in Lúbeck eine „Tagung nordischer und
\ deutscher Forscher und Lehrer auf dem Gebiete nordischer Philologie
und Literaturgeschichte“. Der Gedanke und die Anregung zu dieser ersten
gröBeren Zusammenkunft dieser Art ging aus von deutschen Gelehrten,
die auck die technische Durchfúhrung des Planes auf sich genommen katten.
Neben rein wissenschaftlichem Austausch war das Hauptziel der Tagung,
eine weitgehende persönliche Fúhlungnahme zu ermöglichen, die wiederum
als Grundlage fúr eine wissenschaftliche Zusammenarbeit groBen Stils, wie
sie hier erstrebt wurde, erforderlich schien. Die Tagesordnung zerfiel daher
zu gleichen Teilen in wissenschaftliche Sitzungen und gesellige Veranstal-
tungen. Das úber alles Erwarten gute Gelingen der Tagung hat ihren Ge-
danken in jeder Hinsicht voll gerechtfertigt. Schon die Teilnebmerliste
zeigte die úberraschend groBe Zahl von 117 Namen, die sich so auf die ver-
schiedenen Lánder verteilten: 76 Deutsche, 14 Dánen, 12 Schweden, 7 Nor-
weger, 5 Islánder, 1 Finne. Dazu kam eine Anzahl von Frauen der Teil-
nehmer. Von bekannteren Gelehrten waren unter den Dánen Marius Kri-
stensten und Joh. Bröndum-Nielsen, unter den Schweden E. A. Kock,
Erik Noreen und E. Wessén, unter den Norwegern Knut Liestal und A. Aall,
unter den Islándern Sigfús Blöndal, Finnland war durch E. T. Kartsen
vertreten.
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