Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Blaðsíða 33
Aber will man das islandische Volk ganz begreifen und werten, so muQ man wissen,
wie tief es, bewuBt oder unbewuBt, verankert ist in der Geschichte seiner vergangenen
Jahrhunderte. Das Buch weiB anschaulich zu machen, wie selbst die schweigende
Landschaft vom Geschehenen spricht — (Almannagjá und Áchterhöhlen).
Vielleicht liiBt die Auswahl die idyllischen Ziige ereignisloser Tage im Leben der
Islánder ein wenig vermissen. Wie ist’s, wenn die Halde im kurzen Sommer griint
und der Blick in tráumerischer Weichheit uber den scháumenden Strom nach den
Herden schweift ? Wie geht es her bei den Mittwinterbesuchen, wenn man Neuigkeiten
austauscht und sich froh bewirten láBt?
Und ebenso wie der Inhalt des Buches, erfreut sein áuBeres Gewand; auch die islán-
dischen Namen sind richtig geschrieben; nur einige kleine Versehen sind stehengeblieben.
Gern legt man dieses Búchlein, das einer gröBeren Sammlung, betitelt ,,Der Welt-
wanderer" angehört, in die Hánde der reiferen Jugend, damit sie daraus Jerne, Land-
schaft und Kultur in ihrer Einheit zu schauen.
Die Sammlung ist wohlfeil, der Band kostet 2,50 RM. K.
7. THULE, Band 17. Norwegische Königsgeschichten, erster Band: Novellenartige Er-
záhlungen (Þœttír), úbertragen von Felix Niedner. Jena, Eugen Diederichs Verlag.
Niedners unermúdliche Arbeitskraft hat einen neuen Band dem groBen Unternehmen
angefugt und diesmal eine Zusammenstellung, wie sie deutsch úberhaupt (aufler von
Dag. Schönfeld) noch nicht gegeben ist. Tatsáchlich durften die þættír in einer so
vollstándigen Sammlung, wie Thule nach dem nunmehr nahertickenden AbschluB
sein wird, nicht fehlen. Wie immer bei diesen Bánden sagt eine gehaltvolle Einleitung
alles Nötige und die Richtigkeit der Ubersetzung ist einwandfrei; allerdings muB ich
gestehen, daB mir ab und zu der Ubersetzer sich im Tone etwas vergriffen zu haben
scheint (warum z. B. ,,der Stift hockte sich" statt: ,,der Knabe setzte sich"). Be-
wunderung verdient wieder die Iíunst Niedners, die er schon so vielfach bewáhrt
hat, in der Nachbildung von Skaldenstrophen; freilicli, daB sie dadurch Anklang und
Verstándnis bei Deutschen finden werden, glaube icli auch lieute noch nicht. Jeden-
falls ist der Band allen Freunden der Sagaliteratur sehr zu empfehlen. WH.
8. H. LUBBERT. Island und seine Wirtschaft. (Meereskunde, Heft 183.) Berlin 1928.
Preis: 1 RM.
Im Rahmen der hubschen Sammlung volkstumlicher Vortráge „Meereskunde" gibt
der Verfasser auf 31 Druckseiten mit Abbildungen eine kurze Ubersicht úber Island
im allgemeinen sowie im besonderen uber die beiden Hauptzweige seines Erwerbs-
lebens: Viehzucht und Fischerei. Namentlich zur letzteren, in der der Verf. als staat-
licher Fischereidirektor ausgesprochener Fachmann ist, enthalten die Ausfúhrungen
verháltnismáBig reichliche, durchaus zuverlássige und zum Teil wenig bekannte Dar-
legungen von hohem Interesse. Auch die allgemeinen Angaben úber Island geben ein
durchweg richtiges Bild von Land und Leuten, wenngleich einige Einzelheiten, z. B.
zur Entdeckungs- und Besiedlungsgeschichte Islands, Werden und Wesen der Sagas
usw. verschiedentlich Richtigstcllung bedúrfen. Die Anschauungen úber Bjarni Jónsson
und Gunnar Gunnarsson werden gleichfalls von vielen, ganz besonders auf Island, nicht
geteilt werden. ' H. E.
VIII. KLEINE NACHRICHTEN
Vnsere Mineraliensammler mag folgende Aufzáhlung vonZeolithen oder „Siedesteinen"
interessieren, die auf Island, zum Teil auf den Fáröern, festgestellt sind: Analcim, Apo-
phyllit, Chabasit, Desmin, Epistilbit, Levyn, Mesolith, Natrolith, Okenit, Skolecit, Stil-
bit (Heulandit), Thomsonit. AuBerdem an Abarten: Acadiolith, Faröelith, Karpho-
stilbit, Oxahverit (Uxahverit), Parastiibit, Scoulerit, Xylochlor. Als eine der ergiebigsten
Fundstellen fúr Zeolithe auf Island gilt die Gegend am Berufjörður gegenúber der Nieder-
lassung Djúpivogur im Osten Islands. Eine andere bekannte gute Fundstelle liegt gegen-
úber Akureyri unweit des Gehöftes Hallandi am Eyjafjöröur in Nord-Island (vgl. unsere
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