Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Qupperneq 20
An der technischen Durchfuhrung und einer angemessenen áuBeren Ge-
staltung der Tagung beteiligten sich Senat und Nordische Gesellschaft der
Stadt Iáibeck in áuBerst entgegenkommender Weise. Die Eröffnungs-
sitzung fand am 27. Juni im Burgerschaftssaal des Rathauses statt. Pro-
fessor W. H. Vogt, in dessen Hánden die Deitung der ganzen Tagung lag,
hielt die Eröffnungsrede. Dann wurde die Versammlung durch den Senat
der Stadt Lúbeck und die Nordische Gesellschaft begrúBt. Die historische
Bedeutsamkeit und Tragweite dieser Stunde wurde den Anwesenden in
eindrucksvoller und wúrdiger Weise bewuBt. Und unvergeBlich wird es
allen sein, wie schon hier ein Ton laut wurde, den man in dieser Umgebung
úber den bewegten Augenblick hinaus als einen treffenden Ausdruck des
inneren Verháltnisses deutscher Wissenschaft und deutscher Menschenart
zu den nordischen Nachbarn nehmen durfte und der dann auf der Seite
der nordischen Gáste immer wieder aufklang und die Geister und Menschen
einander gegenúber stellte und einander náher brachte: Dies war, als
E. A. Kock einen GruB seines Onkels, des Altmeisters Axel Kock, úber-
brachte und dann ein von ihm selbst im Auftrage der skandinavischen
Teilnehmer verfaBtes deutsches Gedicht vortrug, Dankesworte der nor-
dischen Lánder, durchwármt von dem reichen Gefúhl ihrer Menschen.
Da war mit einem glúcklichen Griff der Funke entzúndet, aus dem dann
im Verlaufe der Tagung ein wirkliches Zusammensein wurde, wie es wohl
nur selten derartigen Zusammenkúnften beschieden ist. Den Auftakt zu
den wissenschaftlichen Sitzungen gab dann noch ein Vortrag von Professor
Wagen-Greifswald: „Ziele und Probleme der deutsch-nordischen Uiteratur-
forschung". Die feinen Ausfúhrungen des Vortragenden dúrften es auch
dem Fernerstehenden klar gemacht haben, ein wie weites und fruchtbares
Gebiet hier noch der ErschlieBung wartet. Nach der Eröffnungssitzung
fand man sich im Ratskeller zusammen, wohin der Senat zu einem echt
lúbeckischen Abendessen eingeladen hatte, das recht reichlich ausfiel und
ebenso fröhlich verlief.
Fúr die beiden folgenden Tage waren vormittags wissenschaftliche Sitzun-
gen, fúr den úbrigen Teil des Tages gemeinsame Einnahme der Mahlzeiten
und Ausflúge in die Umgebung vorgesehen, nach dem schönen und inter-
essanten Ratzeburg und nach Schwartau. Es wurden diese Vortráge ge-
halten: Prof. Dr. Karsten: Die Fortschritte der germanisch-finnischen
Uehnwörterforschung seit Vilh. Thomsen. Prof. Dr. Brondum-Nielsen:
Nogle morfologiske Udviklingslove. Prof. Dr. A. Aall: Ibsens Peer Gynt.
Priv.-Doz. Dr. Krause: Die Kenning im Germanischen und Keltischen.
Prof. Dr. Liest0l: Den islendske Sagatradition. Dr. Blöndal: Einige Auf-
gaben der neuislándischen Philologie. Doz. Dr. Wessén: Schwedische Orts-
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