Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Blaðsíða 7

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Blaðsíða 7
germanischen Behauptungswillens; dessen letzte Steigerung wáhlte hier zum Wohnsitz eine gleiche letzte Steigerung artverwandterNatur. Island ist ein schick- salhaftes Mit- und Ineinander von Erde und Mensch, wie man es kaum ein zweites Mal finden wird. Diese Heimat hat ihre Menschen mit furchtbarster Not und letz- ter Vernichtung bedroht und hat sie zugleich mit den stárksten lebenzeugenden Spannungen und mit der wildesten und klarsten Schönheit der Erde erfullt. Is- Iand ist durch tausend Jahre hindurch das grofi und einsam ragende Trutzbild nordisch-germanischer Lebenserfullung gewesen. Ein Stiick vom Herzen germa- nischer Heimat, das die versinkenden Götter in das grofie Meer am Rande der bewohnbaren Erde warfen. Der Skalde Kormak Von WoIfgangMohr Der Zugang zur Skaldenlyrik ist fiir die meisten verbaut durch ihre sprachliche Schwierigkeit, die nicht einmal in einer formgetreuen Ubersetzung behoben wer- den kann. Deutsche Leser der Thule-Ausgaben werden es oft áhnlich machen wie viele islándische Leser des Originals: Sie werden die Saga lesen, die Strophen auslassen. Doch auch fiir die, welche sprachlich die Verse einigermafien verstehen, ist das Eindringen in ihren eigentlichen Sinn oft schwer genug. Da entsteht das Bediirfnis, sich einmal an einer Stelle die kiinstlerische Absicht des Dichters im Nacherleben, soweit das möglich ist, bewufit zu macken, um so die Grundlage zu haben fiir spátere Vergleiche. Von dem Skalden Kormak sind uns eine grofie An- zahl Strophen persönlichen Charakters erhalten; sie geben uns fúr so frúhe Zeit ein wiinschenswert fiilliges Material. An sie sind die Fragen zu richten: Wie er- lebt der Skalde, wie formt er das Erlebnis zum Wortkunstwerk ? Eine so einge- stellte Betrachtung kann nur einiges herausgreifen. Sie soll eher zeigen: dies und áhnliches láfit sich aus den Strophen heraushören, als vollstándig beschreiben. Verzichtet hab ich auch darauf, auf die Kenning, die typische skaldische Um- schreibung, náher einzugehen, denn sie vertrágt es am allerwenigsten, an einem Dichter isoliert betrachtet zu werden; man verfállt dabei der Versuchung, die- sem als persönliche Leistung zuzuschreiben, was der typischen Dichtersprache der Zeit eigentiimlich ist. Wer Kormaks Strophen und seine Saga im Zusammenhange liest, wird so- gleich in eine Menge von Fragen verwickelt. Die Strophen enthíillen einen fast liickenlosen biographischen Zusammenhang, so dafi der Gedanke wohl aufkom- men kann, wir hátten es hier mitderVersnovelle eines anderen zu tun. Andrerseits schildern die Strophen derart besondere und einmalige Geschehnisse, sind so voller halber Anspielungen, wechsein von der Berichtform in die Gegenwart und

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