Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Side 22
wenn der Bootsfiihrer riefe. Sigurd safi am Steuer und sagte Strophen her, wie
er gewohnt war. Als er aber sah, dafi das Refftau losgemacht war ohne seinen
Befehl, da schlug er auf den Bordrand und rief barsch: „Hier — lafit das Segel
stehen, bis ich es sage!“ Als Sigurd vor Illugastadir vorbeisegelte, war Jakob
gelandet und hatte angefangen, das Schiff zu löschen, aber bei Sigurd fing die
Ladung an, nafi zu werden durch das wilde Segeln. Da entfuhr es ihm: „Keinem
ist Jakob gleich als Seemann — und Mann.“
Diese Geschichto habe ich von zwei Bootsmannern Sigurds. Sie sagtenbeide
dasselbe aus, ohne dafi einer den andern hörte.
Alle spateren Jahre, die Audbjörg und Jakob wirtschafteten, waren schwierig
und viele von ihnen hart, besonders 1880 bis 1887. Da war es ihr jahrlicher
Brauch, wenn es weit im Winter war und es bei den Armen knapp wurde, die
Kinder aus der Nachbarschaft, die es am schlechtesten hatten, zu sich zu nehmen
und ihnen durchzuhelfen bis zum Fruhling, wenn die Lage der Leute wieder
besser wurde. Da war die Aufgabe der Hausfrau in Illugastadir oft schwierig,
obwohl es ihrem Manne weder an Túchtigkeit noch Weitblick fehlte, so fúr die
Ktiche zu sorgen, dafi niemals Mangel war. Sie waren nicht reich, aber es fehlte
ihnen doch nicht die Herzensgröfie, anderen zu helfen, wenn es not tat. Hier soll
ein Beispiel dafúr angefúhrt werden.
Im Herbst 1885 war Jakob einmal auf dem Handelsplatz Skagaströnd mit
vielen seiner Nachbarn. Sie hatten alle sehr nötig, Lebensmittel zu kaufen, aber
wenig Geld, sie zu bezahlen, denn ihr Viehbestand war in den vorausgegangenen
harten Jahren sehr zusammengeschrumpft. Der Kaufmann wollte den Armen die
Lebensmittel nicht auf Borg geben, weil die Bezahlung so unsicher war, aber er
bot Jakob an, ihm Korn fúr 1000 Kronen auf Borg zu geben. Das war viel Geld
fúr einen Bauern in dieser Zeit. Jakob nahm das Angebot an und verteilte das
Korn auf die Leute. Nur eine Saumlast von dem Korn bekam Jakob bezahlt,
denn die wenigsten hatten Geld, aber die Schuld bei dem Kaufmann hatte er ab-
bezahlt, wenige Wochen ehe er ertrank (1887). Audbjörg pries ihren Mann fúr
diese Tat jedesmal, wenn sie an diesen Vorfall dachte.
Jakob hatte viel Eigenartiges in seinem Wesen, das zeigte, dafi er eine hell-
seherische Begabung hatte, die ihn vieles wissen liefi, was anderen verborgen
war. Aber es schien doch, dafi er diese Gabe bestritt, solange es ging. Alle See-
leute in Vatnsnes, die sich an ihn erinnern, behaupten, er ware beim Fischfang
nie so sicher gewesen wie im Nebel, wenn andere keine guten Fangstellen fanden.
Es kam auch oft vor, wenn er ruderte und nicht viel fischte, dann fuhr er doch
an Land, verliefi schweigend Schiff und Mannschaft bei der Landung, legte sich
eine Weile nieder und ruderte dann wieder hinaus. Dann blieb es nie aus, dafi er
gut fischte. Er war so wetterkundig, dafi er meist am Lande safi, wenn ein Un-
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