Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Blaðsíða 35
Aber auch so ist das Gebotene zu diesern
Preis fast unglaublich.
Das dritte Bandehen, Molir, „Schicksals-
glauben und Heldentum“, ist ein wertvoller
Beitrag vor allem zur Erklarung der Helden-
lieder. Der Verfasser zeigt, wie zuerst der
Schicksalsglaube nur auf der Erkenntnis der
Notwendigkeiten beruht, die das Leben mit
sich bringt, und wie spáter die Vorstellung
der Einwirkung einer fremden Macht sich
geltend macht, wodurch die ganze Einstel-
lung sieh versehiebt. Der Nachweis wird an
den Quellen erbracht und damit deren Ver-
standnis gerade nach der ausschlaggebenden
Seite hin erschlossen.
Der Sammlung „Die Welt der Germanen“
ist grofier Absatz und Eortfiihrung auf glei-
cher Höhe zu wiinschen. W. H.
Kleiiie Nacliricliten
Islándischer Lektor an der Universi-
tát Berlin. Nacli Greifswald hat auch Ber-
lin jotzt ein islandisches Lektorat bekommen.
Es wird betreut von Herrn Kristján Alberts-
sen aus Reykjavík, der auf Island einen Namen
als Schriftstellerhat. Esisthocherfreuhch,dafi
durch diese beiden Lektorate auchdas moder-
ne Island an den deutschen Universitáten die
ihm gebuhrende Geltung bekommen hat.
Eine Eluglinie nach Island beabsichtigt
nach islándischen Bláttermeldungen die Kgl.
hollándische Luftfahrtgesellschaft einzurich-
ten. EineFlugverbindung z wischenSchottland
und Island wiirde es ermöglichen, in einem
Tage von Reykjavik nach Paris zu reisen. Zu-
gleich mitdiesemPlan wird wieder von derVer-
wirldichung der Luftbriicke zwischen Europa
und Amerika mit den Pfeilern Eáröer, Island,
Grönland gesprochen. Englánder, Amerikaner
und Hollander sollen gemeinsam mit der Aus-
fiihrung dieses Projektes bescháftigt sein.
Vatnajökull-Expedition. Die beiden Is-
lánder Jóhannes Áskelsson und Dr. Trausti
Einarsson sind am 21. Mai zu einer neuen Ex-
pedition auf den Vatnajökull aufgebrochen,
um von neuem die Verháltnisso im Gebiet des
Sohwedenkraters, der Ausbruchsstelle vom
Priihjahr 1934, zu untersuchen und kartogra-
Phisch aufzunehmen.
Wirtschaftswissenschaftliche For-
SchungsgruppederNordischen Gesell-
schaft beim Institut fiir Weltwirt-
Schaft in Kiel. Der Reichsminister fiir Wis-
senschaft, Erziehung und Volksbildung hat
'fie von der Nordiscben Gesellschaft beim
Kieler Institut fur Weltwirtschaft eingerich-
teteWirtschaftswissenschaftlicheEorschungs-
8ruppe als diejenigo Stelle anerkannt, die zu-
stándig ist fur das Studium und die wissen-
schaftliche Bearbeitung der Wirtschaftsver-
háltnisse der nordischen Lánder unter beson-
derer Berucksichtigung der Beziehungen zu
Deutschland. Insbesondere soll die Eor-
schungsgruppe der Nordischen Gesellschaft
priifen, welche Möghchkeiten fur einen Wie-
deraufbau der gegenseitigen Wirtschaftsbe-
ziehungen zwischen Deutschland und den nor-
dischen Lándern und fiir eine stárkere Inter-
essierung Deutschlands am Ostseeverkehr be-
stehen. N. G.
Eine Pressestimme iiber Jón Leifs’
Werk auf den Nordischen Musiktagen
in Wiesbaden. „Gleich der erste Eindruck
von dicsem, dem nordisohen Schöpfertum ge-
widmeten Musikfest war stark, und zwar in
zweifacher Hinsicht. Es iiberraschte einmal,
so sehr man auch mit einer gewissen Vorstel-
lung schon auf die Eigenart der nordischen
Musik vorbereitet war, das besondere Gesicht,
zum anderen die Qualitátdieser Musik in dem
uraufgefiihrten Konzert fiir Orgel und Orche-
ster (op. 7) des Islánders Jón Leifs. Dieses un-
zweifelhaft landschaftlich insphierte Werk
ballt Klangmassen mit einer Schroffheit, die
an das Ohr ganz aufiergewöhnliche Forderun-
gen stellt. Es gibt sich als ein Experiment, das
besticht durch seinen Mut. Eortreifiend ist die
Wucht seiner Diktion; seine dichterische und
sachliche Besessenheit nimmt jeden, der hier
nachfiihlen kann, gofangen. Es handelt sich
um ein Werk, das islándische Volksmusik kon-
trapunktlich verarbeitet, in der strengen
Eorm einer Passacaglia, aber der klassische
Orgelsatz erscheint hier von einer ganz neuen
Seite, in ganz neuen Ausdrucksmöglichkeiten
angewendet, voller Spannungen mit kiihnen
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