Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Blaðsíða 30
So reich an Gegensátzen Islands Vergangenheit ist, so ist es auch in anderer
Hinsicht ein Land der Kontraste, ein Land von Feuer und Eis, Land des ewigen
Lichtes und der manchmal ewig erscheinenden Finsternis, Land der Wasserfálle,
der Wolkenschönheit, der Einsamkeit, der Stille und der briillenden Naturgewal-
ten, ein Land, wo Himmel und Hölle dicht beieinander wohnen, Land des Todes
und der ewig wiederkehrenden Auferstehung, des dichtesten Nebels und des hell-
sten und vielseitigsten Farbenspiels, Land der wilden Brandung und der maje-
státisch erstarrten Gletscher, der hellgriin bliihenden Wiesen, der blauen Berge
und der schwarzen, schreckeinjagenden Lava, der tiefsten Schluchten und der
höchsten Gipfel, Land der weitesten Aussicht und tiefsten Einsicht, Land der
demokratischen Aristokraten und aristokratischen Demokraten, Land der Tat-
menschen und der Tráumer, Land der tiefsten Ruhe und der höchsten Leiden-
schaft, — Land der Kiinstler. —
Und doch ist Island heute ein modernes Land, souveránes Königreich nach
langem Kampf um die Freiheit, selbstbewufit, wenn auch noch nicht geniigend
selbstkritisch. Es ist als ob dort jetzt eine Generation mit einem Schlage das
nachholen möchte, was in 600 Jahren versáumt wurde, und zwar trifft dies auf
alle Gebiete der Technik und der Kultur zu. Es mag unglaublich klingen, dafi ein
Königreich von nur 120000 Einwohnern, also kaum mehr als einem Men-
schen auf dem Quadratkilometer, eine arteigene, weltgiiltige Kultur bewahrt und
entwickelt — und doch ist es so. Die kleineren Nationen sehen vielleicht
manchmal auf die noch kleineren herab, aber die grofien Völker wie das deutsche,
achten den Geist ohne ítiicksicht auf Machtverháltnisse.
Meine Liebe und Verehrung zu Deutschland ist zu grofi, als dafi ich sie zum
Schlufi meiner Áufierungen in Worte der internationalen Höflichkeit kleiden
könnte. Heil Deutschland!
„Island-Saga“, ein Musikdrama
Zur Auffuhrung von Georg Vollerthuns „Island-Saga“, ein Musikdrama in 3 Akten
von Brnst Weiskam
Aus T eilen der Sagas und eigenem Erleben schuf Bertha Thiersoh die Dichtung der „Island
Saga“. Das Musikdrama entstand gegen Ende des Weltkrieges, unter dem Eindruck jenes
schicksalhaften Geschehens. Die Urauffiihrung fand 1925 in Miinchen statt; es folgten meh-
rere Auffiihrungen in anderen Stadten, doch konnte sich das Werk, das von kohem Ethos
getragen wird, gegeniiber der schlagartig einsetzenden, scharf ablehnenden Kritik einer Zeit,
die es noch nicht verstehen konnte und wollte, nichtdurchsetzen, Eiir lange Zeit verschwand
es von den Spielplánen der deutschen Biihnen, und erst die langsame innere Umstellung des
Volkes nach der nationalsozialistischen Revolution bereitete den Boden fiir erfolgreiche Neu-
auffiihrungen dieses Werkes.
Der Ablauf des Geschehens ist folgender: Glum, „der Ire“ — seine Mutter war eine irische
30