Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Blaðsíða 34
Was eine Besprechung des vorliegenden
Werkes in dieser Zeitschrift rechtfertigt, ist
die Tatsache, dafi auch Islánder aufgenom-
men worden sind. Wir finden eine ganze
Reihe von bekannten Namen. So begegnet
aus friiherer Zeit der Gelehrte Arngrímur
Jónsson (1568—1648) mit vier Briefen an den
deutschen Theologen Balthasar Meisner und
einem Schreiben an den danischen Alter-
tumsforscher Ole Worm. Das 18. Jahrhun-
dert wird durch Árni Magnússon vertreten.
Die Mehrzahl der Briefschreiber gehört dem
19. Jahrhundert an. Unter ihnen sind, um
nur einige herauszugreifen, Jón Jónsson
Espolín, der Verfasser von „íslands árbæ-
kur“, der Philologe Konráð Gíslason, Jón
Sigurðsson, Thorvaldur Thoroddsen, Rektor
Jón Thorkelsson und — mit besonders zahl-
reichen Briefen — Finnur Magnússon. Die
Anordnung des Stoffes ist die alphabetische
nach den Absendern, bei auslándischen Ab-
sendem nach den dánischen Empfángern.
Allen Briefen sind Eundort und Bibliotheks-
signatur beigefugt. Literaturhinweise und ein
Namenregister bieten eine willkommene Er-
gánzung.
Weiteres Material fur den Islandforscher
durfte der handschriftliche Zettelkatalog der
Kgl. Bibliothek zu Kopenhagen enthalten,
von dem der vorliegende Band eine kritische
Auswahl bildet, um so mehr, als Briefe von
Lebenden von der Veröffentlichung grund-
sátzhch ausgeschlossen worden sind.
Hildegard Bonde
Zeitschrift fur Rassenlcunde und ihre Nachbar-
gebiete. Hrsg. von E. Frh. v. Eickstedt. Verl.
Perd. Enke, Stuttgart. 1. Band, 1. Heft.
Die Flut der rassekundlichen Veröffentli-
chungender letzten Jahre war in hohemMafie
geeignet, den Ruf der RasBenkunde stark zu
beeintráchtigen. Nur die Namen ganz weniger
Verfasser waren es, zu deren Veröffentlich-
ungen man, ohne enttáuscht zu werden, greifen
konnte. Um so erfreulicher ist es, gerade diese
Namen als die Namen des Herausgebers und
der stándigen Mitarbeiter dieser neuen Zeit-
schriftzulesen. Dasgibtunsdie Gewáhr—und
die Arbeiten des ersten Heftes können es be-
zeugen —, daC wirkliche Wissenschaf t aus dem
Gebiet der Rassenkunde und ihrer Nachbar-
gebiete hier ihr Sprachrohr gefunden hat.
Der Biologe, der Historiker, der Vorgeschicht-
ler, der Kultur- und Völkerkundler und jeder
fúr die rassischen Fragen der Gegenwart Be-
geisterte finden hier zuverlássigen Rat und
wertvolle Grundlagen und Anregungen zu
eigener Forschung. Wd.
O. Wenz/NordischeSeefahrt.48S. Quelle
& Meyer, Leipzig 1935. M 0.80.
H. Kuhn: Island, das Heimatland der
Sagas. 80 S. Ebenda. M 1.—.
W.Mohr: Schicksalsglauben und Hel-
dentum. 82 S. Ebenda. M 1.—.
Die neue, von O. Wenz herausgegebene Samm-
lung: „Die Welt der Germanen“ hat die Auf-
gabe, durch einen Uberblick úber die viel-
seitigen Ergebnisse wissenschaftlicher For-
schung die Arbeit des Lehrers und der Schú-
ler zu ergánzen und abzurunden; sie dient
also der in Zukunft zu erwartenden stárkeren
Betonung germanischer (d. h. vor allem alt-
nordischer) Literatur im Unterricht, hat aber
natúrhch gleichen Wert fúr jeden, der diesem
Literaturzweig náhertritt und erkennt, daB
das bloBe Lesen der Quellen zum wirklichen
Verstándnis nicht ausreicht.
Wenz hat in populárer Form die Geschichte
germanischer Seefahrt von den áltesten Zei-
ten bis zum Ende der Wikingerzeit in leben-
diger und anziehender Form dargestellt; die
Kunst, bei den verlockenden Einzelheiten
sich nirgends zu lange aufzuhalten, ist be-
sonders hervorzuheben. So ist eine erste Ein-
fúhrung entstanden, die nicht nur fúr junge
Leute eine sohde Grundlage bildet, auf die
sich eingehenderes Studium aufbauen kann.
Kuhns Darstellung Islands ist in dieser Kúrze
ein Meisterwerk; es gibt nichts, was man úber
die Insel und ihre Bewohner wissen will, das
hier nicht in lebendigster, auf eigener Kennt-
nisnahme beruhender Darstehung ausrei-
chend dargestellt wáre. Gerade den Lesern
unserer Blátter sei dieses Schriftchen drin-
gend empfohlen, weil jeder hier findet, was
er sucht, mag sein Interesse fúr Island aus-
gehen von welcher Seite es will. Es wird dem
Verfasser selbst schwer geworden sein, der
ganzen Art der Sammlung entsprechend, auf
Abbildungen und Angabe von Literatur zu
weiterem Eindringen verzichten zu mússen.
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