Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Qupperneq 15

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Qupperneq 15
aUes so vorzúglich klappte, und der erste Teil xneiner Reise, besonders der A-bstecher nachHorn, wie die Islander dasNordkapnennen (sprich: Hoddn), v°rdanke ich also Herrn 'Arni J ónsson. Am 20. Juli 1914 hatte ich mit Herrn Benary aus Erfurt, ögmundur und Seinem 16 jáhrigen Sohn Sveinn als Hilfsfuhrer, 12 Pferden, Zelten, Schlaf- sácken und reichlichem Proviant Reykjavík verlassen und in 8 ziemlicli grofien Tagemárschen den Hof Kirkjuból östlich vom 'Isafjörður erreicht. Kier merkten wir zum ersten Male, daB wir in einsamer Fremde waren und Sanz andere Verháltnisse trafen, wie wir sie bisher auf Island gefunden hatten. Fast 14 Stunden waren wir ununterbrochen im Sattel gewesen, waren rechtschaffen múde und hungrig und freuten uns auf Milch, Kaffee, warmes ■^ssen und weiches Bett. Es war daher eine groBe Enttáuschung fúr uns, als wir die Bewohner bereits in den Federn fanden. Trotz Klopfens und Hám- öierns regte sich nichts; wir stieBen und schlugen die Túr fast ein, aber kein Afcnsch wurde sichtbar, kein Eaut hörbar. I\IiBmutig sattelten wir ab, such- ten auf dem Tún, der Hauswiese, einen Platz fúr die Zelte aus, schlangen iröstelnd unsere mitgebrachten kalten Speisen hinunter und kochten uns starken Kaffee. Da bemerkten wir hinter den Gardinen menschliche Ge- stalten, sahen, wie sieKissen undweiBe Bezúge schleppten und schichteten, Ulid nach einer guten Stunde erschien der Hausherr und forderte uns zum ■^intritt auf. Im ganzen habe ich etwa 1 Jahr auf Island zugebracht, davon ^ Monate auf Reisen, aber es war das erstemal, daB ich nicht sofort in die Stube genötigt wurde, sondern drauBen frierend warten muBte, bis alles in Ordnung gebracht war. Es war offenbar nicht böser Wille der Bewohner, sondern Ungeschick dem Fremden gegenúber; denn Auslánder kommen in ^iese einsame Gegend niemals, und der Bauer tat sonst alles, was in seinen Mráften stand. Immerhin mag noch erwáhnt werden, daB dies der einzige Öof ist, wo ich angesichts der ungemachten Betten und verschwiegener Ge- rátschaften essen muBte. Noch schlimmer aber erging es mir in derselben ^egend etwa zwei Wochen spáter. Ich kam von der Steingrímsfjarðarheiði v°rausgesprengt, um Kaffee und Herberge zu bestellen, und traf in Bakkasel uur die Báuerin an, die úbrigen Eeute waren drauBen beim Heuen und schlie- ^en im Zelte. Ob die Dame an meiner Brille und Aussprache sofort den 'Ut- ^nding erkannte, ob sie mich fúr einenEinbrecher undDieb, fúr einen ‘Uti- ^egumaður (Áchter) oder gar fúr einen Galdramaður (Zauberer) hielt und es deswegen mit der Angst bekam, weiB ich nicht; sie war nicht zu bewegen, auch Uur die Túr zu öffnen, keifte zeternd von drinnen, daB sie auch kein Feuer aHzúnden wolle oder könne, um Kaffee zu kocken, und lieB mich unverrich- ^eter Dinge wieder abziehen. Wie ganz anders war dagegen die Gastlichkeit ^er Hornstrendingar! 53

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