Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Qupperneq 16
Um so herzlicher, geradezu gláuzend war die Aufnahme, die wir am nách-
sten Tage bei Kaufmann 'Olafur Pálsson in Arngerðareyri fanden. Dies ist
eine kleine Handelsniederlassung mit 20 Einwohnern an der Ostseite des
'Isafjörður, des innersten Teiles des 'Isafjardardjúp, i1/^ Stunden von Kir-
kjuból entfernt. Von Gervidalur auf der östlichen Seite der inneren Eisförde
erstreckt sich in fast nördlicher Richtung iiber Laugaból und Kirkjuból bis
Kaldalón, und von da bis Bjarnagnúpur, wo die Jökulfirðir beginnen, eine
östlicheVerzweigung des'Isafjarðardjúp, nur ein schmaler Kustenstrich west-
lich des Drangagletschers: der erste Teil heiBt Langadalsströnd, der zweite
Snæfellsströnd. Besonders die letztere Strecke mutete ganz arktisch an:
wie in Ostgrönland reichte der Schnee bis an das Meer, trotzige, nicht úber-
máBig hohe Berge starrten empor, dazu war der Himmel mit grauen, schwe-
ren Wolken behángt, die Brandung rauschte und donnerte, leichter Regen
rieselte, und der Sturm schlug die Saiten. Hier erfuhren wir auch durch
telephonischen Anruf, daB der kleine Dampfer uns púnktlich in Staður er-
warten wúrde.
Staður í Grunnavík ist von Unadsdalur („liebliches, geliebtes Tal“) 12
Stunden entfernt. Der Bauer des allerliebst gelegenen Hofes begleitete uns
2 Stunden úber wústes Steingeröll, das wie von Riesenfáusten durcheinander-
gewúrfelt und aufeinander getúrmt war, úber kleine, runde Steine am
Strande, vorbei an dem verlassenen Hofe Dyrðilmýrr (Fóstbr. s. K. 2, S. 3)
und der Ruine Hávarðsstaðir (Háv. s. K. 3, S. 12) bis an ein ungeheueres
Schneefeld, das sich vom Gipfel der Berge bis an den Strand erstreckt. Die
Pferde wurden auf den Schnee getrieben, und dann rutschten sie alle gemein-
sam, mehr oder mindergeschickt, diesteileBöschunghinunter. Derschlechte,
die Gáule ungeheuer ermúdende Geröllweg setzte sich weiter die Kúste ent-
lang fort; weit im SW sahen wir die schwachgewölbte runde Firnkuppe der
Gláma, zur Rechten ragten etwa 600 m hohe Mauern empor, in deren dunkelm
Basalt sich hellblaue Schneegrotten versteckten, aus denen rauschend
silberne Báche hervorsprudelten. Auch hier liegen einige, seit wenigen Jah-
ren verlassene Gehöfte; die Bewohner sind teils nach Canada ausgewandert,
teils nach freundlicheren Gegenden Islands verzogen. Nach 5x/2 Stunde be-
gannen wir an der Berjadalsá (,,Beerentalsache“) bei dem verödeten Hofe
Skarð den recht steilen Aufstieg úber die Snæfjallaheiði, die als das schlimm-
ste Plateau auf Island gilt, nbch furchtbarer als der Weg von Staður nach
Hom; Thoroddsen war 1886 úber die Dalsheiði nach dem Eeirufjörður ge-
zogen. In den dicken Winterkleidern schwitzten wir vor Sonne und An-
strengung gehörig und bekamen zum ersten Male das Gefúhl, daB wir zwar
fiir arktische Kálte wohl ausgerústet wáren, aber nicht fúr Súdtirols Wárme.
Die armen Stiefel! Auf dreiviertel Höhe bot sich ein úberraschender Blick
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