Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Síða 17

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Síða 17
auf die Stadt 'Isafjörður, und alle Buchten vom Skutilsfjörður bis zur Eis- förde öffneten sich vor uns. Von einem Wege war natiirlich keine Spur zu sehen, die spárlichen Warten verloren wir wiederholt aus den Augen und muBten wohl ein Dutzend Male durch den tiefen Schnee waten und die Steinhaufen miihsam aufsuchen. Zuletzt blieb dem Fiihrer nichts iibrig als die Packpferde zusammenzukoppeln und mit starker Faust iiber Geröll, in záhem Sumpf aufgeschichtete Steine und harten Schnee nachzuziehen. ögmundur taten die Pferde leid, mir unsere FuBbekleidung. Erst nach zwei Stunden waren wir oben auf dem Plateau (nur 434 m ii. M.). Dann tauchten vor uns und zur Binken Schneeberge auf, ein Meeresstreifen wurde sichtbar, und nach 1 Stunde hatte ich den vielleicht groBartigsten Blick auf ganz Is- land, auf die Jökulfirðir: das war wirklich Grönland mit seinem hohen gras- losen Gestein, den ungeheueren Schneedecken bis an die Kiiste herab, und dem unendlichen Meer, das sich zwischen den starren, kahlen Felsen ver- zweigt! Auch der Abstieg, 2 Stunden, durch den Staðardalur, zuletzt uber máchtige Moránenmassen, muBte zu FuB gemacht werden. Kurz vor Mitter- nacht waren wir bei Pastor Kjartan Kjartansson in Staður í Grunnavík, einem der entlegensten und beschwerlichsten Pfarrhöfe auf Island, Grímsey ausgenommen. Etwa acht Háuser stehen hier, der ganze Bezirk hat 268 Einwohner und reicht bis zum Furufjörður an der Ostkúste. Sie leben vom Fischfang, Eandbau wird wenig getrieben, Kartoffeln gedeihen nicht mehr, aber das Gras ist stets gut und reichlich. Am náchsten Tage, am 31. Juli, nachmittags, erschien púnktlich der sehnsúchtig erwartete Dampfer 'Asgeir litli. Sein Kapitán Olaf W. Andreas- sen, in Christiania geboren, unterstellte mir im Auftrage von Herm 'Arni J ónsson das Schiff fur 3 Tage und lieB sofort unser Gepáck mit den Schlaf- sácken an Bord bringen, wáhrend ögmundurs Sohn zum Beaufsichtigen der Pferde zurúckblieb. Der Dampfer ist nur 18 Tons groB, 56 FuB lang, 15 FuB breit, hat eine starke, túchtige Maschine, dient nur Handelszwecken und hat natúrlich keinen ,,Salon“; die „Messe“, um die rings die Kojen lagen, wurde uns als Wohnraum angewiesen, auf den drei Bánken in ihr konnten wir des Nachts unsere Schlafsácke ausbreiten. Hier nahmen wir auch, zu- weilen zusammen mit dem Schiffspersonal, unser sehr einfaches, aber ganz schmackhaftes Essen ein. Jedenfalls fúhlten wir uns recht behaglich an Bord, zumal der Kapitán gebildet, rúcksichtsvoll und durchaus zuverlássig war; die ganze Besatzung war aufmerksam und zu kleinen Diensten, wie von Bord rudem und an Bord holen, stets willig; nur die dralle Stúlka, die zugleich Köchin und Stubenmádchen war, betrachtete uns wie merkwúrdige ^álde aus Afrika, lachte úber unsere lange, sorgfáltige Morgentoilette, und Platzte heraus, wenn ich mit ihr islándisch sprach; als ich ihr zum Abschied 55

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