Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Qupperneq 18
einige Kronen reichte, wollte sie sie anfangs nicht annehmen, mit der köst-
lichen Begrxindung: „Sie haben mir beide SpaB gemacht!“
Die Jökulfirðir, die die Nordkaphalbinsel von der Drangahalbinsel fast ganz
abschneiden, tragen ihren Namen ,,Gletscherfjorde“ mit Recht. Denn sie
liegen io Seemeilen innerhalb der Mundung des 'Isafjarðardjúp in östlicher
Richtung von diesem; nördlich vom Drangajökull, dessen eine Zunge sich
unmittelbar bis zum Deirufjörður erstreckt; die Berge ringsum sind steil
und uneben, jeder Vegetation bar und ohne Tierleben; die Dange betragt
etwa 16 Seemeilen, die Breite 2,5—4,5 Seemeilen, die Tiefe 100—150 m.
Die einzelnen Buchten sind, wie úberhaupt die der Vestfirðir, typische Fjorde,
höchstwahrscheinlich durch Erosion entstanden, „durch flachliegende und
leicht abfallende Basaltdecken geschnitten" (Thoroddsen, Island S. 84).
Die Táler, die von ihnen auslaufen, sind meistens kurz und endigen mit
steilen Zirkustálern, Kare sind háufig. Der erste Fjord von W. an der Súd-
seite der Jökulfirðir ist der Leirufjördur („Schlammförde"), nach dem der
Drangajökull einen Arm heruntersendet, der sich jedoch seinem Hinter-
grunde nicht vollstándig náhert; der Hrafnsfjörður („Rabenförde") ist der
östlichste, der Lónafjörður („Flachförde") ist der innerste an der Nordseite,
Veiðileysa („Weidelosförde") ist die náchste Bucht westlich vom Lónafjördur,
hier war bis vor kurzem eine Walstation — fúr diese 4 Fjorde fehlen Eo-
tungen, da sie nicht mehr besucht werden. Der Hesteyrarfjördur („RoB-
strandförde") hat in der Mitte eine Tiefe von 47 m mit gleichmáBiger Nei-
gung zum Hauptfjord hinunter. Die Jökulfirðir sind wegen ihres schlechten
Wetters berúchtigt. Wir hatten aber ungewöhnliches Glúck, auf dem ganzen
Ausflug nach Horn hatten wir Sonnenschein und Wárme.
Am ersten Abend konnten wir bis 11 Uhr abends ohne Mantel auf dem
Verdeck sitzen, die See war still und ruhig, das leise Plátschern der Wellen
lud zum behaglichen Schauen und Tráumen ein. öde, aber groBartig ist der
Blick auf die Schneeberge ringsum. Langsam náhern wir uns einer schnee-
freien, etwas grúnen, ca. 10 km langen, zyklopischen Basaltmauer und fahren
diese Grænahlíð entlang bis zum nordwestlichen Punkte Ritur, dem ersten
der fúnf hohen, steilen Vorgebirge oder Huken, Straumnes, Kögur, Heljar-
víkubjarg und Horn, zwischen deren steilen, nur durch vereinzelte Talmún-
dungen unterbrochenen Wánden Buchten liegen. Ritur, die áuBerste Spitze
der als Fundstátte von Surtarbrandur bekannten Grænahlíð, mag einer leb-
haften Phantasie wohl wie eine „groteske Reiterfigur“ erscheinen. Ganz
oben kann man mit dem Glase 2 Warten erkennen, die Offiziere vor 100 Jah-
ren errichtet und andere kúrzlich erneuert haben; viele Vögel nisten auf der
Höhe. Dann nimmt der Dampfer bis Kögur eine nördliche Richtung, zwischen
Ritur und Straumnes öffnet sich die breite und reine Aðalvík. Wir passieren
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