Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Qupperneq 23

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Qupperneq 23
Y. KELTEN UND NORMANNEN AUF DEN INSELN NÖRDLICH YON SOHOTTLAND Von Ernst Krenn Schon die Schriftsteller und Seefahrer des Altertums wuBten und tráumten von eigentiimlichen Inseln des Nordmeeres. — In der Friihzeit nordeuropáischer Geschichte finden wir auf diesen Inseln Kelten und Normannen. Dementsprechend will ich im folgenden an Hand der Geschichte eine Inselgruppe nach der andern, die nördlich von Schottland liegen, aufsuchen und unter- suchen, wieweit dort keltischer und wieweit normannischer EinfluB stattgefunden hat. — i. ORKNEYS UND SHETLANDINSELN Den Namen Orkneys (die Orkaden der Römer) hat man versucht abzuleiten von dem höchstwahrscheinlich vorkeltischen Worte „Ork"; erst die Normannen haben das un- verstandene Wort aus der Ahnlichkeit mit ihrem ,,orkn“ (urspr. Bedeutung ist ,,Dick- bauch“ und geht auf Seeschwein, Walfisch, Robbe und insbesondere auf „Klappmutze" u. dgl.) gleichgesetzt und umgedeutet und ey darangefúgt. Die Gruppe dieser Inseln besteht aus 90 Eilanden, von denen 28 von ungefahr 30 000 Menschen bewohnt sind. — Die Shetlandinseln (bei den Normannen Hjaltland und spáter Hetland genannt) um- fassen ungefáhr xoo Inseln, von denen 29 ungefáhr 30 000 Bewohner zahlen. — Schon John R. Tudor charakterisierte in treffender Weise den Hauptunterschied zwischen Orkneyinger und Shetlander mit folgenden Worten: „Der Shetlánder ist Fischer mit einem kleinen Grundstúck, der Orkneyinger aber ein Kleinbauer mit einem Boote." Als der römische Feldherr Agricola die Orkaden umschiffte, sah er die súdlichen Shet- landinseln und Fairisle; wahrscheinlich hat er diese letztere als Thule bezeichnet. Die ersten Bewohner waren Pikten von nichtkeltischer Abstammung. Gegen Schlufi des 6. Jahrhunderts wurden die Inseln von irischen (also keltischen) Missionáren und Ein- siedlern aufgesucht; diese verlieíien die Eilande teilweise wieder, als im 8. Jahrhundert die Wikingerzúge der Normannen begannen; die bleibenden konnten das Christentum nicht mehr öffentlich ausúben. Der gelehrte Fároyinger, Sprachforscher Dr. phil. Jakob Jakobsen, welcher die Inseln wiederholt bereiste, so 1893—1895 und 1905 die Shetlandinseln und 1909—1910 und 1912 die Orkneys, erzáhlt in seinen berúhmten Werken ,, Shetlandsoernes Stednavne" und „Nordiske Minder, især sproglige, paa Orknoyerne", daB die Sprache auf diesen Inseln eine eigene Entwicklung durchgemacht hat. Das ist schon an dem zu ersehen, was bis heute an nordischen Mundarten bewahrt wurde. Das Nordische, welches seit dem 15. Jahrhundert von armen, unterjochten Bauern gesprochen wurde, kam in Kampf mit der Sprache der Machthaber, dem Niederschottischen; aber erst im 17. Jahrhundert begann die Auflösung der nordischen Dialekte. Wáhrend dieser langen Zeit der Unter- werfung war der Freiheitsdrang der Bewohner geschwunden. Nach und nach wurde die Sprache geándert: Amtssprache ward Niederschottisch, und Kirchensprache Reichs- englisch. Des weiteren tat die puritanische Geistlichkeit alles, um die alten, schönen und eigenartigen Ketten- und Liedertánze samt den dazugehörigen Weisen auszurotten. Noch 1814, da Walter Scott diese Inseln bereiste und wo ihm Stoff aufgezeigt wurde, aus dem er spáter seinen Roman „Der Pirat" schuf, hörte er ein altnordisches Gedicht, das leider nicht aufgezeichnet wurde und deshalb verloren ging. Nur in Kinderreimen und Wiegenweisen sind noch Spuren des Nordischen enthalten. Die Sprache selbst hat noch heute in hohem Grade nordisches Gepráge; denn Dr. Jakobsen konnte im Nieder- schottischen dieser Inseln eine groBe Zahl nordischer Wörter nachweisen, so auf Shetland mehr als 10 000 und etwas weniger auf den Orkneys. Wenn man nun bedenkt, daB der Wortschatz der Bauern und Fischer an und fur sich nicht besonders groB ist, so erscheint die Zahl der bewahrten nordischen Wörter verháltnismáBig sehr groB! Wáh- 61

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