Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Blaðsíða 26

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Blaðsíða 26
Hör die Tanzenden sich drehen! Hör das Wettgedicht entstehen! Das ist Föroysprach’! Hör beim Herd den Greis erzahlen: Sagen lauschen Kinderseelen! Das ist Föroysprach’! Birg wie Gold am Heimatstrande Stets du auch im fernsten Lande Deine Muttersprach’! Tief in deinem eig’nen Herzen Wie in Freuden so in Schmerzen Klingt die Föroysprach’! — (Dieses Gedicht lernten meine Schulkinder in der Allentsteiger Hauptschule voll Eifer auswendig!) 3. ISLAND Das klassische Land der Germanen wurde nach Dicuil (De mensura orbis terrae) zuerst von irischen (also keltischen) Einsiedlern entdeckt. Dicuil versteht unter Island falschlich „die ultima Thule" des Altertums, als die der islandische Abt von Þingeyrar, Arngrímr fróði, schon im 14. Jahrhundert die Shet- landinsel Mainland oder vielleicht Unst ansah. Die islandische „Landnámabók", welche (wenigstens teilweise) auf den Priester Ari hinn froði zuriickgehen mag, erinnert an den ehrwiirdigen Priester Beda, der die Nachrichten des Pytheas von Massilia, des Pli- nius und Strabo iiber eine Insel im Nordmeer erneuerte. In der Landnámabók heiBt es: „Bevor Island bevölkert wurde, waren Leute da, welche die NordmSnner als „Papar" (Pfaffen) bezeichneten, und man dachte, sie wáren von Irland her (eigentlich „westlich", das bedeutet, westlich aus Irland im Gegensatz zu den östlich wohnenden Norwegern!) iibers Meer gekommen, weil man nach ihnen irische Biicher, Glocken, Krummstábe und andere Dinge fand, aus denen hervorgeht, daB sie „Westmánner" (im Gegensatz zu den Ostmánnern, den Norwegern) waren. Das fand man östlich zu Papey und Pa- pýli, und es wird dessen in englischen Biichern gedacht, daB in jener Zeit Schiffahrt dazwischen (zwischen England und Island) war." — Heute erinnern noch Ortsnamen wie Papey, Papýli, Papós, Papafjörður u. a. an diese Zeit. Die geringe keltische, und zwar christliche Bevölkerung, welche aller Wahrscheinlich- keit nach nur aus Anachoreten bestand, verschwand rasch — wie die Landnámabók sagt — aus Abscheu vor dem fremden Heidenvolke, den Normannen. Es ist höchst wahrscheinlich, daB Island schon vor 860 von den Normannen entdeckt wurde, da es um 860 schon allgemein bekannt war. Der erste Entdecker, von dem wir wissen, ist der Seefahrer Naddoðr (vielleicht war er gar kein Normanne, sondern ein vorkeltischer Bewohner GroBbritanniens!), der Island „Snæland" nannte; durch den Schweden Garðar erhielt es den Namen „Garðarshólmr". Aber nicht nur die mit König Haraldr hárfagri, der seit der Schlachtim Hafrsfjörðr (872) Alleinherrscher in Norwegen war, unzufriedenen Edlinge (Jarle, Kleinkönige) wanderten nach den Nordinseln aus! Noch ein zweites Ereignis fuhrte zahlreiche Kolonisten nach Island: ein Aufstand in Schottland! Im nordwestlichén Schottland herrschte damals (um 880 und 884) Þorsteinn rauði, ein Sohn des 'Oleifr hvíti, welcher sich zum König von Dublin samt dem dazugehörenden Bezirke gemacht hatte. Þorsteinn eroberte im Vereine mit dem Jarl der Orkneys, Sigurðr, das ganze nordwestliche Schottland und herrschte íiber dasselbe. Wenige Jahre nach der Unterwerfung der westlándischen Inseln durch König Haraldr hárfagri brach der oben erwahnte Aufstand in Schottland aus und Þorsteinn wurde getötet. Dies hatte zur Folge, daB teils schon fruher und teils seit Haralds Allein- herrschaft in Schottland ansássige Normannen sich gezwungen sahen, anderwárts ihren 64

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