Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Blaðsíða 31
enthált der Band noch eine Reihe Predigten und Ansprachen sowie Aufs&tze Uber wich-
tige Angelegenheiten und Beitrage zur Geschichte der islandischen Kirche. Darunter
rechne ich auch den Nachruf des Herausgebers ftir den verstorbenen Prof. Haraldur
Níelsson, dessen bleibende Verdienste in ebenso warmer Weise anerkannt wie die GröBe
seiner sittlichen Persönlichkeit gewtirdigt wird. Haraldur Níelssons letzte Predigt tiber
„Arbeitgeber und Arbeiter", die ganz in der eindringlichen, alte Zeit und Gegenwart
in Einklang bringenden Form, die den Verf. auszeichnet, gehalten ist, eröffnet das Buch
und zeigt aufs neue den Verlust, den die islandische Kirche erlitten hat; das Bild des
Verstorbenen ist dem Bande beigegeben. Hervorzuheben wegen der allgemeinen Wichtig-
keit ist die ausföhrliche Anzeige der Kirchengeschichte Islands in 2 Bánden vom Bischof
Dr. Jón Helgason durch Prof. Magnús Jónsson. Das Buch wird auch nach der Seite
hin gewördigt, daB es geradezu eine vollkommene Geschichte des Landes bis zur Gegen-
wart enthált.
Die beabsichtigte weitere Ausgestaltung dieses Jahrbuchs des Pfarrervereins zur
Vierteljahrsschrift wurde zweifellos begröBenswert sein. W. H.
3. GRASKINNA. Utgefendur Siguröur Nordal, ÞórbergurÞórðarson, Akureyri 1928.
96 S.
Schon der Titel flöBt dem Wissenden geheime Spannung und Zauber der Entdeckung
ein. Man weiB, was eine ,,-skinna“ alles zu enthalten und zu bewahren vermag. Und
wirklich eröffnet sich dem, der zu lesen versteht, je weiter er in dem kleinen, grauen
anspruchslosen Bándchen bláttert, eine immer tiefere Fundgrube köstlichen literarischen
und von geheimnisvollem und urwöchsigem Leben zeugenden Schatzes. Wer Island
aus der Literatur kennt, findet hier einen der stárksten Untertöne auch der fröhen
klassischen Schöpfung — volkstumliches Erleben und Gestalten — unverfálscht und
in oft kaum glaubhafter Weise und seltenem Reichtum bis in die Gegenwart sich fort-
setzend; wer islandisches Land und islándische Psyche am eigenen Leibe erfahren hat,
föhlt sich hier mit seinen eigenartigsten Erinnerungen wieder in dem beröckenden Bann
eines erd- und geheimnisgebundenen Volkstums, wie es in dieser Ausprágung im
gegenwartigen europáischen Kulturkreis wohl nur Island noch aufzuweisen hat. Dem
Erforscher des „Primitiven" wird hier áuBerst dankbares Material geboten. Inhalt und
Absicht des Buches mögen aus einigen Sátzen eines an alle islándischen Leser gerichteten
Aufrufes zur Mitarbeit erhellen: „Dieses Heft zeigt ziemlich deutlich, welches die Ab-
sicht der Schrift ist: alte und neue Geschichten, die unter den Leuten umlaufen, sollen
vor Vergessenheit und Verderbnis bewahrt, und allerliand Wissenswertes, das in Hand-
schriftensammlungen vergraben liegt, soll der Allgemeinheit zu Gesicht gebracht werden.
Die Gráskinna will alles mögliche volkstumliche islándische Wissensgut bringen: Volks-
sagen und mundliche Erzáhlungen, seltsame Geschichten und Erscheinungen, Beschrei-
bungen eigentömlicher Menschen und Geschehnisse, alte Gedichte und Márchen, Be-
richte öber alten Glauben und Sitte usw.“
Das erste Heft — es soll jáhrlich eines erscheinen — stellt hierfur einen guten Auftakt
dar. Wir wunschen ihm von Herzen eine lange Reihe von Nachfolgern, zumal die Namen
der Herausgeber sorgfáltige und kritische Arbeit verbörgen. Reinhard Prine
4. JON SVENSSON. Auf Skipalón. Neue Islandgeschichten Nonnis. Freiburg i. B.,
Herder, 1928.
Auf das Erscheinen jedes neuen „Nonni"-Buches freuen sich viele Tausende junge
und auch áltere Herzen. Das vorliegende Werkchen enthált fönf Geschichten aus des
Verfassers Jugendleben. Die erste, die auf dem nordislándischen Bauernhofe Skipalón
spielt, und wonach die Sammlung benannt ist, wurde bereits fruher veröffentlicht und
auf Seite 15 des laufenden Jahrgangs unserer „Mitteilungen" besprochen. Die weiteren
Erzáhlungen heiBen: Der Forellenfang, Der gefáhrliche Nachmittagsritt, Wo ich ge-
boren bin, Meine ersten dánischen Freunde.
Allen diesen kleinen Geschichten gemeinsam ist die uberaus edle, gemötvolle, doch
anspruchslose hohe Kunst plastischer Darstellung. Die schlichten Erlebnisse werden
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