Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Blaðsíða 32
mit einfachen Worten so anscliaulich und spannend erzahlt, dafi es kaum möglich scheint,
sie besser wiederzugeben. Jugendlicher Sinn, mutige Knabenart, echter Humor und
ein tiefes Gemfit offenbaren sich in diesen Geschichten und ziehen jeden, der sie liest,
in ihren Bann. Besonders schön scheint mir der Abschnitt ,,Wo ich geboren bin", in
dem der jetzt einundsiebzigjáhrige Dichter seine Heimat am Eyjafjord schildert; er
schlieBt im Gedenken an sie mit den Worten: ,,Seit 58 Jahren habe ich ihn (den Zauber
der Mitternachtsonne) nicht mehr gesehen. Nie habe ich ihn aber vergessen können
und oft habe ich mich nach ihm zuruckgesehnt; und die schönsten landschaftlichen Reize
des sonnigen Sudens haben es nicht vermocht, dieses Sehnen in meiner Seele zum Schwei-
gen zu bringen." H. E.
5. DANIELBRUUN, Fortidsminder ogNutidshjem paalsland. Ny omarbejdet ogforöget
Udgave. Köbenhavn, Gyldendal 1928.
Im Jahre 1897 veröffentlichte Daniel Bruun auf Grund seiner im Jahre vorher unter-
nommenen „orientierenden" Untersuchungen auf Island die erste Ausgabe des vor-
liegenden Werkes; sie umfaBte 236 Druckseiten und bildete den ersten Band einer
Sammlung „Studier af Nordboernes Kulturliv i Fortid og Nutid". Diese „Studien"
brachten in 5 Bfinden von 1897—1905 etwa 15 Einzelabhandlungen Bruuns tiber Is-
land, Grönland und die Faröer, zumeist Sonderdrucke aus verschiedenen Zeitschriften.
Da sie fast alle lángst vergriffen und zum Teil nur sehr schwer aufzutreiben sind, ihr
Inhalt aber fiberwiegend unveraltet bleibt, so ist es sehr zu begrtiBen, daB ihr Ver-
fasser nicht nur den ersten Band neu herausgab, sondern ihn durch Zuffigung alles
Wesentlichsten aus den fibrigen Bánden der erwáhnten „Studier", soweit sie tiber Is-
land handeln, bereichert und dadurch auf 416 Druckseiten erweitert hat. Auch ffigte
Bruun der ursprunglichen Schrift die Ergebnisse spáterer Forschungen hinzu und gibt
im Anhang eine kurze Gbersicht tiber die filteren und neueren archáologischen Aus-
grabungen und Funde aus den islándischen Ansiedlungen im alten Grönland.
Es bedarf keines Hinweises, daB das neue Werk Bruuns, der sich bis 1923 auf nicht
weniger als 13 groBen Forschungsreisen auf Island hervorragend umfassende Kennt-
nisse von diesem Lande erworben, sie durch grtindliche wissenschaftliche Studien
vertieft und sie in zahlreichen trefflichen Arbeiten niedergelegt hat, das volle Interesse
jeden Islandfreundes finden wird. Das neue Buch ist ohne Einschránkung zu emp-
fehlen. Bilder- und Kartenschmuck ist reichlich und schön und die Gesamtausstattung
des Buches sehr befriedigend. H. E.
6. GERHARD KRlíGEL, Island, das Wunderland des Nordens. Berlin: Scherl, 1928.
Thule-Island „im fernsten grauen Meer" bfiBt nichts ein von seinem geheimnisvollen
Wunderglanz, wenn man es náher kennenlernt und im hellen Licht der Forschung
betrachtet; das empfindet man beim Lesen dieser kleinen Auswahl und beim Ansehen
der beigeftigten Bilder.
Denn Riesen oder Götter scheinen dort noch lebendig; des Erdfeuers heiBer Atem
faucht noch unter der Lavadecke und jagt kochendes Wasser in die Lfifte hinauf, wáh-
rend in der Nachbarschaft gewaltige Eisberge thronen und wildzerkltiftete Gletscher
die Táler und Schluchten ausfttllen. Zuzeiten legt sich der Nebelriese fiber das ganze
Land und Menschen und Pferde gehen in die Irre; oder der Flugsand wirbelt und saust
tiber die Hochfláchen, verwelit den Pfad und begrábt die Menschen. Oder der Schnee-
sturm ist da, atemraubend, vom plötzlich verfinsterten Horizont, und dann der glim-
mernde Frost, der von den runden Bergkuppen niedersteigt. Das alles láBt das Btich-
lein uns miterleben.
Man hat bei dieser Auswahl wohl beachtet, daB die weite und erhabene Bergland-
schaft ihren Widerschein hat in dem Wesen der islándischen Menschen — deren all-
tágliches schweres Leben, deren innerer Lebensstil und Charakter ohne diesen Rahmen
nicht denkbar wáren; so lesen wir von ihrem harten, lachenden Mut, ihrer Beobachtungs-
gabe, von ihrer edlen Gastfreundschaft und heifien Heimatliebe.
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