Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Qupperneq 35

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Qupperneq 35
Þorvarður hieB ein Arbeitsbursche, der auch auf Stakkaberg war, als diese Geschichte geschah. Er liebte Elín, die Tochter des Bauern, und die beiden waren heimlich verlobt. Die Eltern des Mádchens aber waren wenig zufrieden mit diesem EntschluB, da ihnen der Bursche zu arm war. Da hielt Daníel um Elín an. Ihre Eltern waren sehr dafiir, daB sie Daníel náhme, der so ziemlich sein Scháflein im Trockenen hatte, aber Elín wollte nicht. Einmal im Friihling zog Þorvarður nach Westen an das 'Isafjarðardjúp zum Fischfang und bekam einen Bootsplatz in Bolungarvík. Elín ging damals mit einem Kinde von ihm, obwohl dies anfangs geheim blieb. Als Þorvarður fort war zum Fischfang, freite Daníel von neuem um Elín. Mit Beibilfe der Eltern bekam er sie noch im Daufe des Fruhlings. Jetzt wendet sich die Geschichte wieder zu Þorvarður. Einmal gegen Ende der Fischzeit kam ein Nordsturm. An diesem Tage gingen von Bo- lungarvík drei Boote verloren; unter den Ertrunkenen war auch Þorvarður. Es war ein Mann, der Sigurður Guðmundsson hieB. Er wohnte auf Melar auf der Skarðsströnd und war diesen Frúhling zum Fischfang im Westen, in Bolungarvík. Damals lebte auf Melar der alte Þorlákur, ein Dotse. Spáter war er auf den Rúf-Inseln, wo er 1921 starb. Sigurður kam Ende des Sommers vom Fischplatz nach Hause. Er fuhr mit einem Frachtschiff nach Flatey und von dort allein mit einem Boot nach der Skarðsströnd hinauf. Als Sigurður an die Eandungsstelle von Melar kommt, sehen die Leute vom Hof durch das Wohnstubenfenster zwei Eeute im Boot, die dann zum Hof hinaufgehen. Als Sigurður ins Haus kommt, wird er gefragt, wer bei ihm sei; er aber behauptete, ganz allein zu sein. Das fanden die Eeute seltsam, da sie fest glaubten, einen anderen Mann mit Sigurður zusammen gesehen zu haben. In der darauf folgenden Nacht geschah es auf Stakkaberg, daB Gegen- stánde mit lautem Aufprall auf das Wohnstubendach flogen. Die Eeute in der Stube erwachen, auch Daníel. Er zieht schnell seine Schuhe úber und geht hinaus. Daníel bleibt ziemlich lange drauBen, so daB die Eeute beginnen, sich seinetwegen Gedanken zu machen. Da hören sie plötzlich, daB wie mit einer nassen Haut von auBen an die Wánde der Gárxge zur Wohnstube hin geschlagen wird. Daraufhin ging man schneH nach vorn. Da liegt Daníel in dem Gang, blau und blutig, und so erschöpft, daB er nicht zu sprechen vermochte. Am Tage darauf starb er. [Aufgezeichnet von Þórbergur Þórðarson im Winter 1923 nach dem Dichter Stefán frá Hvítadal, dessen Quelle ein allgemein umlaufender Bericht von der Skarðsströnd ist.] Aus Gráskinua. Akureyri 1928. Ubersetzt von Reinhard Prinz 71

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