Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Síða 12

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Síða 12
„Ich gedachte anzugreifen"; V. 13. „Ich weiB, daB...“; Y. 23 u. 50. „Ich sage...“ Ein besonders schönes Beispiel fiir die Beobachtung der Aktionsarten bietet Y. 58. Sie beginnt mit schlichtem Bericht im Prateritum: „Er stahl mir die Spange, als ich dem Mádchen zutrank", wechselt dann sofort in ein Euturum des Wollens: „wir wollen uns darum zanken“; die náchste Halbstrophe beginnt mit weit abriickendem Perfekt: „gut hat man den Speer gescháftet“, die folgende Umschreibung mit ,,vard“ entfernt die Handlung der persönlichen Willkiir: „mir passierte das, daB ich ins Geröll schoB, daB das Moos sich löste“. Dazwischen schiebt sich noch ein verdeutlichender Schaltsatz: „klar ist’s, daB ich den Mann verfehlte“. Die Skalden, und so auch Kormak, bleiben aber nicht bei subjektiver Spiege- lung des Angeschauten oder Bildhaftiibertragenen stehen. Sie beurteilen es und sprechen Seelisches unverhiillt aus. Reine Berichtsstrophen sind bei Kormak sel- ten. Meistens folgt auf das áuBere Erlebnis seine innere Spiegelung. Es war schon die Rede davon, wie sich der Gedanke an die Geliebte als Leitmotiv durch Kor- maks lyrisches Werk zieht, oft in ganz abgelöster Form: „ich denke an sie, mir steht der Sinn nach ihr, sie hat mir Kummer gemacht, ich liebe sie doppelt so viel wie mich selbst“; oder das Motiv zieht sich in die Anrede durch eine Frauen- kenning zuriick, so in den letzten Strophen Kormaks. Zuweilen dringt aber das AuBen auch in diese persönlichen Bemerkungen hinein, z. B. V. 35. „Ich denke an sie, die imNorden weilt“; V. 37. „Ich vermissesie, wennicherwache“; oder in der rhetorischen Frage V. 49. „was könnte unserer Liebe entgegenstehen V‘ In der umgebenden Welt eine Spiegelung oder einen Kontrast fiir das zu finden, was in seinem Innern vorgeht: das ist eigenartig fiir Kormaks Erlebnisform. Ein- mal spricht er es unmittelbar aus: V. 15. „Was bedeutet nun die ganzeHalle, (wenn die Geliebte nicht in ihr ist)“, fragt er. Die iibrige Skaldenlyrik bietet nur wenige Beispiele fiir solches Zusammen-Erleben, sie gehören aber zu dem Schön- sten in ihr. Ganz verhalten klingt es bei Egil an, durch fast gequálte Satzstellung verschleiert: Erde griint, (doch wir werden) der Wina nah ob meinem — Helnot ist’s! — (verhiillen Harmesmut) lieben Bruder. Deutlicher wird es in der schon erwáhnten Strophe von Björn aus der Breidvik: Das Gelb möchten wir wollen des Walds und Blau der Halde (oft sollt mich die Sanfte sehren) ewig wáhren, 12

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