Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Síða 13

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Síða 13
als, Liebste, am Abend. ieh getrunken versunknen Dufts Gedácbtnis-Becher deiner Freude und meiner. Dadurch, daB fast jedem Berichte ein Urteil, eine Beflexion nachfolgt, wird er aus dem Zufálligen ins Bedeutende hinausgehoben, er verkniipft sich in dem Erlebnis des Dichters mit zeitlicher oder raumlicher Ferne. Als Kormak die Ge- liebte zum ersten Male sielit, urteilt er: „diese FiiBchen werden mir noch öfter als heut zur Gefahr werden“, und: „Begehren wird mir in Ewigkeit nicht alt werden, spáter bringt uns das Not“. In den spáteren Strophen fállt der Blick háufiger in die Vergangenheit. Der Dichter erinnert sich in dem Augenblicke, da er die Geliebte verliert, daB sie ihn ehedem liebte, daB er sie oft kiiBte; als er sich betrogen fiihlt, ruft er aus: „Friiher traute ich ihr wohl“. So setzt sich der Dich- ter stets in Abstand zu seinen Erlebnissen. Manchmal wirkt diese BewuBtheit geradezu wie ein kalter Wasserstrahl, z. B. wenn er in die Schilderung eines Traumes, in dem Kormak die Geliebte umarmt liielt, die Bemerkung einschaltet: „So erschien es mir... wenn ich mir das nicht bloB einbilde (V. 43)“. Aus den persönhchen Bemerkungen können wir die Weltanschauung des Dich- ters herauslesen. Am deutlichsten wird fiir uns sein Schicksalsglaube. V. 40. ,, Schicksal waltet nach seinemWillen1 ‘; V. 44.,,... an einem dieser Sache verderben- bringendenTage; fiirmichwareskeinTag, dertaugte“; V.25.,,dieanderntrafdas bessere Los, mich trifft keine Schuld, daB der Kampf so ausging“. Auch die Liebe wird als Schicksal empfunden. Das wird deutlich in der Wahl unpersönhcher Prádikate in seiner ersten Strophe: „Nun ward mir in meinem Sinne starke Liebe. Mir streckte sich entgegen der Itist des Mádchens.“ Die schicksal- hafte Verbundenheit begriindet auch seine Treue: ,,Was könnte unserer Liebe entgegenstehen V' Religiositát, wie bei Egil, wird man bei Kormak vergeblich suchen. Die Wen- dung „bei Odin Bier trinken“ scheint mir wenig mehr als eine iiberkommene Redensart zu sein. Eher versteckt sich unter seiner Bekúmmernis, den „Stroh- tod“ (d. h. im Bette, und nicht auf dem Schlachtfelde) zu sterben, noch lebendiger Walhallglauben. Deutlicher spielt niedere Mytliologie hinein: Er glaubt, daB Hexen ihm sein Schwert stumpften, eine „heisere Hexe“ an seinem Unheil schuld sei. DaB aber auch dieser Giaube nicht frei von Zweifeln ist, zeigt V. 47, in der er sich úber den faulen Zauber mit dem Gánseblut lustig macht. Besonders deutlicli zeigt sich diese indifferente Einstellung einem Höheren gegenúber, wenn man Kormaks Auffassung von der Dichtkunst betrachtet. Fúr Egil ist die Dichtkunst eine Gabe des höchsten Gottes, daB er sagen könne, was 13

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