Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Síða 18
Noch ein Schiff ruderte an diesem Tage von Vatnsnes, auBer den Hindis-
vikern. Sein Fiihrer war Ari Eiriksson in Bergstadir. Johannes und er kamen
beide bis nahe an die Landspitze von Illugastadir und mufiten sich dann beide
vom Sturm an die Strandir1 treiben lassen.
Das hat Björn mir auch gesagt, Jakob werde geahnt haben, daB sein Leben
auf der See enden wiirde, und wo das geschahe. Einmal gingen Björn und Ja-
kob zusammen iiber das Gebirge. Als sie auf die Höhe kamen, setzten sie sich
nieder. Da sagt Björn etwas des Sinnes, es ware nun nicht verlockend, dort im
Nordwesten aufs Meer zu fahren, denn da war starke Diinung. Jakob stimmte
dem zu, und fiigte dann bei: „0 ja, mein Björn, ich bin nicht bange da, aber dort
ist irgendein Schatten“, und wies nach Westen dorthin, wo er etwas spater
seine Seefahrten beschloB. Björn sagte, er hatte verstanden, was er meinte,
obwohl er nicht deutlicher sprach.
Das behauptet Björn bestimmt zu wissen, daB Jakob ungefáhr gewuBt habe,
wie es ihm den und den Tag auf der See ergehen wiirde, und wieviel er fischen
wiirde. Es ist ganz sicher, daB Björn und noch mehrere von denen, die bei Ja-
kob ruderten, daran glaubten, daB er sich beim Fischfang nicht so mit dem
blinden Zufall abfinden muBte, wie die Allgemeinheit tun muB.
Die alten Seeleute Jakobs glaubten unbeirrbar fest daran, daB er als See-
mann unfehlbar sei, und als er ertrunken war, da glaubten sie ebenso fest, daB
alle seine Fanggeráte und alle Bráuche, die er gehabt hatte, Glúck bráchten2. . .
Meine Gewáhrsleute haben beide erwáhnt, daB Jakob in Illugastadir zwei
ungewöhnliche Gaben besessen hat: er sah, was in der Zukunft und was fern
von ihm geschah. Aber er war sehr verschlossen, so daB er selten von diesen
Dingen sprach, und auBerdem wissen nun von dem wenigen, was er gesagt hat,
die meisten nichts mehr. Es soll nun etwas von dem angefiihrt werden, was
noch sicher bekannt ist.
Jakob war verheiratet mit Audbjörg Jónstochter in Illugastadir. Sie hatte
zwei Briider, Agnar und Grim, die beide sehr gute Gaben hatten. Agnar war ein
guter Dichter, und es wird noch eine Sammlung seiner Gedichte bestehen, die
er selbst geschrieben hat. Er war geboren am 17. Márz 1848. Als er etwa 25 Jahre
alt war, verlobte er sich mit einem Mádchen auf dem Naohbarhofe, Gudrun
Olafstochter in Gnystadir. Im Friihjahr 1875 zog er dorthin und ging mit sei-
nem Schwiegervater daran, die Háuser des Hofes neu zu bauen. Da geschah
es oft, daB man aus Agnars Antworten entnehmen konnte, daB er damit rech-
nete, nicht alt zu werden und in der See zu ertrinken, aber doch bei der Kirche
1 Die Landsohaít an der Westseite des Húnaflói, 20—30 km von Vatnsnes entfernt. 2 Es
folgt dann eine Geschichte, die diesen Glauben zu rechtfertigen scheint. Sie ist hier fort-
gelassen.
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