Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Síða 19
begraben zu werden. Wenn er gefragt wurde, wober er diese Ahnung hátte,
wich er jedesmal aus. Doch wollten die Leute wissen, daB er es aus Tráumen
schlösse.
In diesem selben Herbst wollte er von Stapar aus rudern. Seine Bootsleute
waren alles riistige Mánner, keiner álter als 29 Jahre. Unter ihnen war sein
Bruder Grim und drei Bruder dort von der Halbinsel. Viele fúrchteten deshalb
fur sie, denn es ist ein alter Volksglauben, dafi drei Brúder nicht auf demselben
Schiffe rudern sollen. Ehe Agnar im Herbst auf den Fischereiplatz ging, ver-
fúgte er so úber sein Eigentum, daB seine Braut alles bekáme, wenn er nicht
wiederkáme. Sicher hat er úber diese seine Ahnung mit seinem Schwager Ja-
kob gesprochen, denn Jakob bat ihn, ihm zweierlei zu versprechen, in diesem
Herbst niemals zu rudern, wenn sein Bruder Grim nicht rudern könnte, denn
der wurde alt, und bei unsicherem Wetter niemals frúher als er (Jakob) auszu-
rudern, denn er wúrde nicht ertrinken, wenn Jakob auf der See wáre. Wenn
er dies hielte, wúrde er alt werden.
Den ersten Teil des Herbstes ging alles, wie es besprochen war. Am Morgen
des 16. Oktobers war starker Nordwind und die Wolken in schnellem Fiug,
aber die See nicht tibermáBig bewegt. Grim war da krank, so daB er sich nicht
getraute, aufzustehen. Da wollte Agnar nicht rudern, aber seine Bootsmánner
warfen ihm Angst vor und sagten, fúr kráftige Mánner sei die See bei diesem
Wetter nicht gefáhrlich. So ging es eine Zeitlang. Jakob war nicht zu sehen1.
Dann kam es so, daB Agnar dem Zureden seiner Bootsmannschaft nachgab
und ruderte. Jakob ruderte diesen Tag nicht. Zwei andere Bootsfúhrer auBer
Agnar ruderten trotzdem, Ari Eiriksson von Stapar und Johann Arnason von
Skard. Ari kehrte um, ehe er in die Strömung kam, aber Johann kam auf den
Fanggrund und legte die Leinen aus. Doch da waren solche Mengen von Raub-
fischen in der Strömung, daB er die Leinen liegen lieB und an Land segelte. Aber
Agnar kam nicht ans Land.
Von Grim ist zu sagen, als seine Genossen ein kurzes Stúck hinausgerudert
waren, da wurde er ganz gesund. Alles dies schien ihm Böses zu weissagen, und
er wartete nun ab, was geschehen wollte. Als Agnar am Abend nicht an Land
kam, glaubten alle zu wissen, daB sie umgekommen seien. Grim legte sich am
Abend allein in ihrer Hútte schlafen, wollte niemanden bei sich in derHtitte
kaben und war nicht zu bewegen, drinnen im Hofe zu schlafen. Als es dunkelte
und keine Hoffnung mehr war, daB Agnar káme, wurde ein Bote nach Ulu-
gastadir geschickt mit der Nachricht von dem Ungltick. Diesen Tag hatte Ja-
kob zu Bett gelegen, bis es anfing zu dunkeln, aber er war seit einiger Zeit auf,
1 Jakob war nicht in Stapar, sondern in Illugastadir, aber sein Boot muJBte von Stapar zu
sehen sein, wenn er ausfuhr. Die beiden Höfe liegen etwa 2 km auseinander.
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