Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Side 20
als der Bote von Stapar kam, und traf ikn als erster. Der Bote wollte ihm sagen,
was geschehen war, aber Jakob griff ihm vor und sagte: ,,Du brauchst mir
nichts zu sagen; ich weiB, dafi Agnar ertrunken ist.“
In der Nacht tráumte Audbjörg, ihr Bruder Agnar káme zu ihr. Er war in
Lederkleidern und ganz nafi. Er sagte Audbjörg, er sei ertrunken, und bat sie,
Jakob zu bewegen, ihn zu holen. Er fánde ihn, wenn er wollte. Dann verschwand
er. Audbjörg erwachte sofort, und Jakob war da wach. Sie erzáhlte ihm ihren
Traum und bat ihn, nun bei der náchsten Ausfahrt zu versuchen, einwárts1 zu
fahren und die Leinen dort auszulegen, wo er glaubte, daJ3 Agnar umgekommen
wáre, ob er vielleicht mit der Leine herauskáme; denn Agnar láge viel daran.
Jakob antwortete darauf wenig anderes als das, dab er glaubte, seine Leute
hátten wenig Yerlangen nach diesem Todesloch. Damit endete das Gesprách.
Am náchsten Morgen ruderte Jakob. Audbjörg wufite nicht, wohin er wollte,
und er sagte es auch den Bootsmánnern nicht, aber als er iiber die Landspitzen
hinauskam, sagte er zu ihnen: „Ich glaube, Audbjörg möchte, dafi wir heute
einwárts rudern.“ Sie rudern darauf einwárts. Als sie in die Höhe von Stapar
kamen, legte er die Leinen auf einem kleinen Stiick aus, kurz vom Rande der
Strömung, und zog sie gleich wieder ein. Agnar kam mit den Leinen heraus,
und nur ein Angelhaken safi in seinen Lederkleidern fest.
Diese Geschichte erzáhlte mir aufier anderen Gudmann Grimsson, der Boots-
mann bei Jakob war und Agnar als erster fafite, denn Jakob zog die Leine
selber. Gudmann und Agnar waren Briidersöhne und zusammen aufgezogen.
Niemand weifi, wodurch Agnars Schiff gesunken ist, aber Johann Arnason
in Skard, der an diesem Tage ebenfalls auf der See war, wie oben erwáhnt,
sagte, der Wind wáre weder so stark gewesen noch die See so unruhig, dafi es
einem guten Schiffe schaden konnte, aber die Raubfische wáren den Tag so
schlimm gewesen, dafi es wahrscheinlieh wáre, dafi sie das Ungliick verschuldet
hátten.
Im Zusammenhang mit Agnars Tode blieb auch ein anderer Vorfall in der
Erinnerung. In dem besprochenen Jahre (1875) wohnten in Thorfinnsstadir
im Vesturhop2 Jonas Danielsson und seine Erau Steinunn. In der Nacht zum
16. Oktober tráumte sie, sie wáre draufien. Da schien ihr, als káme zu ihr ein
Mádchen, das Helga hiefi, und im vorausgehenden Friihjahr in der Laxa in
Skagaströnd ertrunken war. Steinunn meinte, sie liide sie einzutreten, aber
Helga sagte, sie diirfte sich nicht aufhalten. Da fragte Steinunn, warum sie keine
Zeit hátte, aber Helga antwortete, sie mufite eilig nach Stapar, um mit Agnar
zu rudern, denn einer von seinen Bootsleuten wáre krank. Der Traum war in
1 Das heiBt den Húnaflói einwárts, an der Kiiste des Vatnsnes entlang nach Siiden. Stapar
liegt siidlich von Illugastadir. 2 Die Landschaft östlich vom Vatnsnes.
20