Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Qupperneq 24
Boot da an Land gespiilt. Der Mann, den Jakob fand, war noch warm, und seine
Kleider waren unter dem Lederanzug noch nicht ganz naB geworden, und der
Tabak in seiner Tasche war trocken. Jakob gab sich groBe Miihe, ihn wieder
zum Leben zu bringen, aber es gliickte nicht. — Das andere Schiff, das er sah,
trieb in der sogenannten Thrátuvik an, zwischen Illugastadir und Geitafell. Da
ertranken alle Mánner. Jakob gingen diese Ereignisse sehr nahe.
In dem letzten Sommer, den Jakob lebte, ordnete er Yerschiedenes und riet
seiner Frau Audbjörg, wie sie das eine oder andere machen sollte, wenn sie ihn
im Herbst verlieren sollte. Als Beispiel kann genannt werden, daB er ihr sagte,
wie viele Schafe sie im kommenden Winter behalten sollte. Es ging Audbjörg
sehr nahe, ihn mit voller GewiBheit von seinem nahen Tode sprechen zu hören,
denn sie ging damals mit ihrem letzten Kinde.
Diesen Sommer ruderte Jakob oft und lieB seinen Sohn Hrolf mitrudern,
der damals im 10. Jahre war. Kurz vor den rettir wurde Hrolf einmal ausgeschickt,
um Pferde zu holen. Da geschah es, dafi das Pferd, das er ritt, scheute. Hrolf
stiirzte und verletzte sich so schwer, daB er lange liegen muBte, und er wurde
nie wieder ganz hergestellt.
Am Tage der rettir — am 20. September 1887 — war Jakob friih auf, wie er ge-
wohnt war. Audbjörg wuBte nichts anderes, als daB er zu den rettir wollte, denn
er hatte viel zu erledigen mit den Leuten aus der Landschaft, von denen die
meisten dort waren. Audbjörg erschrak darum, als er hereinkam und um seine
Seehandschuhe bat, weil er nach seinen Fischleinen sehen wollte. Sie fragte da,
ob er nicht zu den rettir wollte. Viele Arme wiirden enttáuscht sein, wexm er heute
nicht dahinkáme. Darauf entgegnete Jakob nur dies: ,,Dies muB ich fahren.“
Jakob ruderte dann aus mit drei Mánnern. Es waren Olaf Jonsson, Arbeiter
in Illugastadir, 17 Jahre alt, Johann Björnsson, Knecht in Eyjarbakki, 47 Jahre
alt, und Gest Bjarnason, Arbeiter in Geitafell, 18 Jahre. Hrolf ruderte nicht mit,
weil er noch an den Folgen des beschriebenen Sturzes lag.
Das Wetter war diesen Tag so, daB am Morgen ein leichter siidlicher Wind
wehte, der nach Siidwesten abdrehte und ílegenschauer brachte, und die See
ging schwer und scháumte. Audbjörg war sehr unruhig und blickte oft auf das
Meer hinaus, ob sie das Boot nicht sáhe. Zuletzt sah sie im Fernglas das Segel
auftauchen, und da war es um die Nonszeit (3 Uhr), aber kurz darauf kam eine
sehr scharfe Begenbö, und sie sah das Segel nicht wieder.
Am náchsten Morgen war noch starke Diinung drauBen. Da sah man von
Skagaströnd, daB ein Boot herankam auf das sogenannte Kroksbjarg zu. Kein
Mensch war im Boot zu sehen, und doch stand es richtig gegen die Wellen und
hielt seine Richtung so genau, als wenn es gesteuert wiirde. Da wurde ein Boot
bemannt und geschickt, um nach ihm zu sehen. Als sie zu ihm kamen, lag Jakob
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