Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Page 25
uber die hiuterste Ruderbank und war tot, aber nicbt erkaltet, und hatte eine
Wunde im Kopfe. Das Segel war fest im Boote, aber trieb auBenbords. Das Was-
ser stand im Boot nur bis zur halben Höhe der Ruderbanke. Alle Spuren waren
sprechende Zeugen dafiir, was fiir eine Todesfahrt Jakob getroffen und welchen
Widerstand er geleistet hat1.
Fiihrende Islánder der Gegenwart:
Prof. med. Gndninndm* Hannesson
Die Verleihung der Goldenen Ehren-Medaille der Universitat Hamburg an
Professor Gudmundur Hannesson (vgl. Mitteilung in Heft 4, XX. Jahrgang)
ist eine Ehrung eines der bedeutendsten Islánder der Gegenwart; und zwar
nicht nur auf dem Fachgebiete der Medizin. Gudmundur Hannesson gehört,
wie der jiingst verstorbene Jón Thorláksson, zu dem Kreis islándischer Mán-
ner, die die politische Befreiung und Erneuerung Islands und den ungeheuren
Aufschwung des gesamten islándiSchen Lebens seit der Jahrhundertwende in
entscheidender Weise mitbestimmt und -gefördert haben. Er hat sich als prak-
tischer Arzt, als Dozent, als Forscher und als Politiker einen Namen gemacht, der
fiir immer mit diesem bewegten und umwálzenden Abschnitt der islándischen Ge-
schichte verbunden bleiben wird. Seine Lebensgeschichte ist kennzeichnend fiir
diese Entwicklung und Leistung.
Gudmundur Hannesson stammt, wie noch fast die gesamte áltere Generation
auf Island, aus altem islándischem Bauerngeschlecht. Er wurde geboren im
Jahre 1866 auf dem Hofe Gudlaugsstadir im Blöndudalur. Nach Beendigung sei-
ner Gymnasialzeit in Reykjavík mit der Reifepriifung (1887) studierte er in Ko-
penhagen Medizin. Seine mit Auszeichnung abgelegten medizinischen Prúfungen
zeugten von derBegabung und dem Eifer fiir den erwáhlten Beruf. Gleich nach
seiner Riickkehr nach Island im Jahre 1894 wurde er als staatlicher Bezirksarzt
(hjeradslæknir) eingesetzt. Er hat dieses Amt, mit einer einjáhrigen Unterbre-
chung zu weiterem Studium in Kopenhagen, zuerst im Skagafjördur und von
1896—1907 im Eyjafjördur verwaltet.
1 Die Nachricliton von dieser letzten Fahrt Jakobs geben kein ganz klares Bild. Es scheint,
dafi die sckwere Bö den Mast iiber Bord geschlagen oder das Segel losgerissen hat und Jakob
dabei am Kopfe verletzt wurde. Es blieb ihm dann nichts ubrigt als sich von dem Siidwest-
sturm an die Kiiste von Skagaströnd treihen zu Iassen. Aher er brachte es trotz der Wunde
fertig, das beschadigte Boot so durch die schwere See zu steuern, dafi nur wenig Wasser ein-
drang. So hat er 16—20 Stunden, vom Nachmittag bis an den anderen Morgen, gegen See
und Tod gekiimpft und das Boot bis dicht an die Kiiste gebracht, einen Weg von 30—35 km.
Seine Gefahrten hat die See iiber Bord geschlagen. Kurz vor dem Ziele scheint er der Wunde
und der Erschöpfung erlegen zu sein.
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