Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Side 26

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Side 26
Um die Jahrhundertwende stand die arztliche Versorgung Islands noch in ihren ersten Anfangen. Bs gab nur wenig Árzte und die Ausbildung und die Hilfs- mittel waren unzulánglich, wáhrend zu eben dieser Zeit die nach Island einge- schleppte Tuberkulose immer weiter um sich griff. Gudmundur Hannesson und seine Berufsgenossen Gudmundur Magnusson und Gudmundur Björnsson waren damals die ersten, die mit einer griindlichen modernen Ausbildung und einem be- wunderungswiirdigen selbstlosen Einsatz den Grundstein legten fiir das inzwi- schen zu einer vorbildhchen Organisation und Leistung herangebildete islándi- sche Arztewesen. Die Arbeit des islándischen Landarztes ist noch heute unver- gleichlich schwieriger und anstrengender als die des Stadtarztes; sie war das noch in einem ganz anderen MaBe zu einer Zeit, als es kaum Briicken und Wege, kei- nen Fernsprecher, keinen Kraftwagen und kaum ein Krankenhaus gab. Gud- mundur Hannesson kann manches Stiicklein davon erzáhlen, wie er oft 12 bis 36 Stunden im Sattel gehangen hat und nach schwerem Ritt auf dem Kiichen- tisch einer kleinen Bauernhiitte unter schwierigsten Verháltnissen hat operieren miissen. Seiner ausgezeichneten chirurgischen Fáhigkeit hat mancher seiner Landsleute sein Leben zu verdanken. Einige seiner Gehirn- und Lungenopera- tionen waren die ersten ihrer Art auf Island. Wáhrend seiner Tátigkeit als Bezirksarzt im Eyjafjördur baute G. H. in Akureyri ein neues, modernes Kxankenhaus, dessen Anlage bis in jede Einzelheit hinein von ihm selbst entworfen worden war. Hier bewies er zum erstenmal an einer gröBeren Aufgabe sein auBergewöhnliches Interesse und seine aus eigener Arbeit erwachsene Fáhigkeit zu praktischer Wegweisung in allen Fragen des is- lándischen Wohnungs- und Stádtebaues. Auch die Griindung einer neuen Druk- kerei in Akureyri war sein Werk. Im Zusammenhang damit entstand eine neue Zeitung (Nordurland), an der G. H. fiihrend mitarbeitete. tíber seine árztlichen und sozialpohtischen Beitráge hinaus trat er hier zum erstenmal als Pohtiker vor die öffentlichkeit und zwar als einer der zielbewuBtesten und wortgewandtesten Vorkámpfer der islándischen Unabhángigkeit. Seine bedeutendste Beitragsreihe zu diesem Gegenstand erschien im Jahre 1906 in Buchform unter dem Titel: íafturelding (In der Dámmerung). Er nahm hier die Forderungen des verstorbe- nen Jón Sigurdsson nach einer restlosen Wiederherstellung der islándischen Un- abhángigkeit von neuem mit aller Schárfe auf und vertrat sie mit solcher tíber- zeugungskraft, daB diese Veröffentlichung (sie wurde in einemMonatausverkauft) wesentlich dazu beitrug, die islándische Selbstándigkeitsbewegung vorwárts zu treiben. Im Jahre 1907 wurde G. H. als Bezirksarzt nach Reykjavík berufen. Hier in der aufstrebenden Hauptstadt fanden seine politische und seine árztliche Tátig- keit ein ganz besonders giinstiges Wirkungsfeld. Er grundete eine neue politische 26

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