Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Síða 27

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Síða 27
Vereinigung (Landvörn), die sich mit Erfolg fiir die Unabhángigkeitsbestrebun- gen einsetzte. Durch seine Wahl zum Abgeordneten (1914/15) hatte er Gelegen- heit, das parlamentarische System in seiner damaligen Form aus eigener Erfah- rung kennenzulernen. Er erkannte seine Schwáchen und ist seitdem immer wie- der in bedeutenden staatspolitischen Aufsátzen fiir eine autoritáre Regierungs- form eingetreten. Seine letzten Veröffentlichungen zu diesem Thema sind die Abhandlungen in derZeitschriftEimreidin: Godastjórn (1929) und Átímamótum („Zeitenwende“, 1934). Aus dem Jahre 1926 stammt die Schrift: Ut úr ógön- gunum. Neben seiner politischen Betátigung kam die árztliche Berufswirksam- keit nicht zu kurz. Auch hier war G. H. weiterhin ein rastloser Arbeiter und Bahn- brecher. Er war einer der Griinder (1909) und langjáhriger Leiter des Reykjavíker Árztevereins, des islándischen Árztevereins (1918), der das ganze Land umfaöte und der medizinischen Zeitschrift. Bei der Griindung der islándischen Universi- tát in Reykjavík im Jahre 1911 wurde er Professor der Medizin und erster Do- zent der medizinischen Fakultát. Auf diesem Posten wirkt er heute noch. Seine soziale Fiirsorge innerhalb seiner umfassenden árztlichen und wissenschaftlichen Tátigkeit blieb weiterhin vor allem auf die Verbesserung der islándischen Woh- nungsverháltnisse gerichtet. Als das Betonhaus auf Island den alten Holz- oder Erdsodenbau immer mehr verdrángte, fand G. H. als erster Mittel und Wege, um die gesundheitsgefáhrdende Kálte und Feuchtigkeit dieser Steinháuser zu be- heben. Sein besonderes Augenmerk richtete er ferner auf die zweckmáBige An- lage der schnell aufschieBenden stádtischen und halbstádtischen Siedlungen auf Island. Hier hat er durch Schrift und Tat entscheidenden EinfluB geúbt. Seine bedeutendste Veröffentlichung auf diesem Gebiet ist die dem Universitátsjahr- buch von 1916 beigegebene Arbeit: Um skipulag bæja (die Anlage stádtischer Siedlungen). Es ist bezeichnend fúr Gudmundur Hannesson, daB er auch als erster auf Is- land die anthropologische und rassekundliche Forschung in Angriff nahm. Die Ergebnisse seiner jahrelangen Untersuchungen und Messungen faBte er zusam- men in einer ausgezeichneten, in deutscher Sprache veröffentlichten Arbeit: Kör- permaBe und Körperproportionen der Islánder (Jahrbuch der Universitát Is- lands 1925). Er schuf mit diesem Werk die Grundlage der islándischen Rassen- kunde, die eine Reihe allgemein sehr wichtiger Erscheinungen und Fragen birgt und von höchster Bedeutung fúr die islándische Geschichte ist. In der deutschen Wissenschaft hat diese Arbeit starke Beachtung gefunden. Aus den zahlreichen anderen Beitrágen zu medizinischen Fachfragen ist die Schutzgesetzgebung gegen Geschlechtskrankheiten und ein auch fúr Laienkreise bestimmtes Buch tiber Geschlechtskrankheiten hervorzuheben. Gudmundur Hannesson ist einer jener begnadeten und zu höchsten Leistungen 27

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