Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Page 28
befáhigten Árzte, die weit iiber ihr Fachgebiet hinaus ihre Arbeit auf den gesam-
ten Volkskörper richten und ganz aufgehen im selbstlosen Dienst an ihrem Volk.
Solchen Mánnern verdankt Island seine Wiederauferstehung aus langer Erniedri-
gung, seine schnelle Entwicklung zu einem gegenwartstiichtigen Volk und sein
Zielbild einer gesunden und starken Zukunft.
Gudmundur Hannesson hat damit auch viel gewirkt fiir die Stellung Islands
in der Welt. Wir Deutschen werden ihm zudem nie vergessen, wie offen und nach-
driicklich er wáhrend der Kriegsjahre bei jeder Gelegenheit eingetreten ist fiir
die deutsche Sache. Und das Wort dieses Mannes, der bei seinem ganzen Volke
gröfites Ansehen genieBt, hatte viel Gewicht. Mancher Deutsche ist auch im
Laufe der Jahre durch sein gastfreies Haus gegangen. Auch dafiir ist ihm der
Dank gewiB. Ást mætir ást og afli safnar meir en menn viti... R. P.
Island, das Land der Kiinstler
Ansprache von Jón Leifs,
gehalten anláBlich der Nordischen Musiktage in Wiesbaden, Ende April 1935
Meine Damen und Herren!
Der islándische Dichter Gunnar Gunnarsson, der heute hier sprechen sollte, ist
von Skandinavien nach Island gereist und so fiel mir die Aufgabe zu, an seiner
Stelle hier zu sprechen. Ich bin zwar kein Dichter, habe aber die Ehre, den Bund
islándischer Kiinstler zu vertreten, der neben Bild- und Tonkúnstlern auch alle
in Betracht kommenden islándischen Schriftsteller vereinigt. Ich vertrete daher
hier nicht nur Gunnarsson, sondern auch die anderen in Deutschland gelesenen
islándischenDichter wiez. B. Kambanund Gudmundsson, ferner die weniger
iibersetzten Prosa-Schriftsteller Islands und die uniibersetzbaren Lyi'iker, die
vielleickt die islándischeEigenart am stárksten off enbaren. — Man hat gewiinscht,
daB ich Ihnen etwas von meinem Heimatlande erzáhle und ich will es versuchen,
wenn es aucli dem Stil eines Teesalons nicht entsprechen kann. Ich brauche nicht
mit irrigen Vorstellungen und Márchen von Eisbáren und Eskimos hier aufzu-
ráumen, denn alle Anwesenden werden wissen, daB Island ein urgermanisches
und europáisches Land ist. Ich darf nur daran erinnern,
daB der altnorwegische Adel Island im 8. und 9. Jahrkundert besiedelte, weil
man sich dem Ursupator Harald Haarschön nicht beugen wollte,
daB sowohl durch ein wenig irische Beimischung wie auch durch das andere
Land und seine Lebensbedingungen ein neues Volk entstand (so verwandt es auch
mit anderen nordischen Völkern ist),
daB in den folgenden 3—4 Jahrliunderten wie ein unerklárbares Wunder die
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