Málfríður - 15.05.1999, Page 28
Kústenseeschwalben
Die Kiistenseeschwalben sind hier,
sie waren gestern bei mir.
Der Weg war weit,
der Ozean breit,
sie kamen zu zweit.
„Bejubelt seid meine reisemuden
lieben Gaste aus dem Súden,
freudig wollen Euch empfangen.
Ist die Reise gut gegangen?“
Sie grúBten mich heiter
und sprachen dann weiter:
„Wir hatten es eilig und flogen geschwind
mutig und kúhn im Gegenwind.
Das Land von Eis lag noch so fern,
uns leuchteten Sonne, Mond und Stern.
Die Eloffnung machte uns heldenhaft,
sie gab uns Stárke und Lebenskraft.
Am weiten Elimmel mit Flúgelschlag
geflogen sind durch Nacht und Tag.
Lang hat die Reise gedauert,
Gefahr auf uns gelauert.
Im Unwetter betrúbt wir schwebten,
die Herzen kleinerVögel bebten.
Manchmal weilten wir aufWellen,
es lockten die Náchte, die hellen.
Und úber uns am Himmelsort
weifle Wolken eilten fort.
Island stieg vom Meer empor,
ein Abenteuer nach wie vor.
Vom Himmel hob die Bergesfrau
sich ab, so edelweiB und blau,
schneegekrönt, in Adern Glut,
feuereifrig ist Islands Blut.
Mit klarem Himmel und wilden Heiden,
Lavafeldern und grúnen Weiden,
Wasserfállen und schwarzem Sand,
sagenhaft ist dieses Land.
Erreichten Land in spáter Nacht,
lobten beide Gottes Macht.
Erschöpft wir haben ausgeruht,
glúcklich und bei gutem Mut.
Eingeschlummert ohne Múhe,
aufgewacht in aller Frúhe.
Jetzt erwartet uns die Sonne,
der Sand lebt auf, o welche Wonne.
Und spát im Herbst in Junger Geleit,
weg von kalter, dunkler Zeit,
wir mússen fort, nach Hause gehen, —
— bis náchstes Jahr, aufWiedersehen!"
Sigrún Gísladóttir.