Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Qupperneq 24
rend die nordische Mundart selbst unwiderruflich ausgestorben ist, ist doch der ganz
und gar iiberwiegende Teil der Ortsnamen nordisch. —
Dr. Jakobsen bestátigt mit Freude, daB die Bewohner noch zu seiner Zeit (bis vor
dem Weltkrieg) viel Wert auf ihre skandinavische Abstammung legten und verneinten,
daB sie Schotten waren. Selbst unter den jungen Bauern gab es einige, die aus eigenem
Antrieb Altnordisch oder Dánisch studierten, nur aus Interesse fur die nordische Ver-
gangenheit. Im ganzen ist die Zuneigung fúr die nordischen Lander lange sehr stark
gewesen, auch das BewuBtsein der Stammesbrúderschaft, nicht nur auf den beiden
Inselgruppen, sondern auch auf Caithness (Nordschottland), viel stárker als man ge-
wöhnlich annehmen möchte.
So hat sich also auf den Shetlandinseln, Orkneys und in Caithness neben einer ge-
ringen Anzahl keltischer Ortsnamen eine Mehrheit von nordischen erhalten, wáhrcnd
auf den Hebriden nur eine Minderheit solcher nachzuweisen ist. Die englische Macht
konnte die nordische Sprache in diesen kleinen Gebieten unterdrúcken, aber nicht die
groBe Zahl nordischer Wörter und das teilweise noch wache BewuBtsein der Stammes-
zugehörigkeit. (Auf den Hebriden und in Nordwestschottland blUhen aber noch heute
die keltischen Mundarten.)
2. F0ROYAR
Der heutige Name stammt aus dem Altnordischen „Færeyjar" und wurde föroyisch
zu Feroyggjar, Feroyjar und Foroyar (gesprochen Förjar); doch herrscht auf den Land-
karten der dánische Name „Færöer" vor. Auf deutsch bedeuten diese Bezeichnungen
„Schafinseln". Ungefáhr 25 000 Menschen wohnen auf den 1399 km* dieser 22 Inseln,
von denen 17 bewohnt sind und an deren ErschlieBung auch Deutsche und Österreicher
Anteil genommen haben; ich nenne nur Dr. Rudolphi und die Österreicher F. Cornu
(starb jung) und F. Görgey (fiel im Weltkrieg). —
Zwölfhundert Jahre sind vergangen, seitdem — soweit wir wissen — Menschen zum
erstenmal die „Schafinseln" entdeckten. (Ja, es ist sogar die Meinung nicht von der
Hand zu weisen, daB schon vorkeltische Bewohner auf den Eilanden waren!) Es waren
auch hier irische (also keltische) Einsiedler, welche nach heute noch bewahrten Er-
záhlungen der Föringer an einsamen Stellen (deren es dort genug gab!) lebten und
trotzdem sie sich nur von Milch, Eiern und Tang (einer Tangart, die heute noch genossen
wird) náhrten, nie starben. (Soweit der Bericht beiDaniel Bruun: „Turistruter paa
Færaerne" und in Geyr-Schweppenburg: „Meine Reise nach den Fáröern".) Auch von
vielen Wundern der Anachoreten wird berichtet. Der iroschottische Mönch Dicuil be-
richtet in seinem im Jahre 825 geschriebenen „Liber de mensura orbis terrae", daB
schon vor hundert Jahren (also um 725) irische Anachoreten aus Schottland in einem
Schifflein mit zwei Ruderbánken wegfuhren und nach einer Fahrt wáhrend zweier
Sommertage und einer dazwischenfallenden Nacht auf eine dieser Inseln kamen, die
durch Sunde voneinander getrennt sind. Dicuil berichtet weiter; ich úbersetze wörtlich:
„Aber wie sie seit Anfang der Welt unbewohnt waren, so sind sie auch jetzt (also um 825)
wegen der normannischen Seeráuber verlassen von den Eremiten und voll von unzáhligen
Schafen und sehr vielen verschiedenen Arten von Seevögeln. Niemals finden wir jene
Inseln in den BUchern der Geschichtsschreiber erwáhnt." — DaB Dicuil die Schafinseln
unter den genannten versteht, erhellt aus der Entfernung (zwei Tage und eine Nacht),
der Fauna (unzáhlige Schafe und Seevögel) und daraus, daB frúhere Geschichtsschreiber
sie niemals erwáhnen (seines Wissens nach). —
Der föroyische Sprachforscher Dr. Jakob Jakobsen sagt in seinem Werke „Keltisk
Indflydelse paa Færaerne", daB sich auf den Inseln deutliche Spuren keltischen Ein-
flusses finden, teils im Wortschatz des Föroyischen und teils in den Ortsnamen. Höchst-
wahrscheinlich stammt der keltische Wortvorrat aus viel spáterer Zeit, námlich von den
auf der Auswanderung von Irland nach Island auf den Schafinseln zurúckbleibenden
Kelten, teils auch von keltischen Sklaven.
(Der Sage nach wurden die Inseln von einem König Froðe besucht, der auf einer
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