Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1929, Page 30
erw&hnt, und das Thoroddsen in Hackluyts Principal Navigations of the English Nation,
1599, fand. Es mag die Islandfreunde interessieren, daB dieses Gedicht auch in Deutsch-
land herausgegeben wurde, und zwar im Urtext nebst einer deutschen metrischen Uber-
tragung von Wilhelm Herízberg, Leipzig 1878.
Der Titel des ganzen Gedichtes lautet: The Libell of Englishe Policye 1436 (Das
Buchlein von englischer Staatsklugheit). Das Kapitel, das von Island handelt, ist úber-
schrieben: Of the commodious stockfishe of Iseland (Von dem nútzlichen Stockfisch
Islands), und wurde von Hertzberg verdeutscht wie folgt:
„Island gibt weitern Stoff mir nicht zum schreiben
Als von Stockfischen; doch in Wahrheit treiben
Von Bristol und manch anderm Iíústenort
Mit Stein und Nadel Schiffahrt sie nach dort
Seit kurzem erst; es ist das zwölfte Jahr (seit 1424),
Sie gehn und kommen ohne Seegefahr,
Wie die von Scarborough schon der Fahrten pflogen,
Die vormals zu den kalten Kústen zogen;
Doch jetzt ziehn so viel Schiffe hin: sie machten
In diesem Jahr (1436) Verlust an ihren Frachten.
Island bot nicht die Fracht sie vollzuladen
Fúr ihre Hafen, und sie litten Schaden."
Wie Hertzberg bemerkt, stammte der unbekannte Verfasser des Gedichtes wahr-
scheinlich selbst aus Scarborough an der Ostkúste Englands und wuBte úber die alten
Handelsbeziehungen zwischen Scarborough und Island, sowie spáter zwischen Bristol
und Island gut Bescheid. H. Erkes
VII. BÚCHERBESPRECHUNGrEN
1. ARTHUR HRUBY. Wikinger in Amerika (Die Thorfinnr Karlsefni Saga [!]). Aus
dem Altnordischen úbers. u. bearb. Wien (Manz) 1928.
—, Altnordische Göttersagen. Aus der Edda neu tibersetzt. Wien (Manz) 1927.
Beide Schriftchen sind fúr die Jugend bestimmt, entsprechend „gereinigt" und mit
Auslassungen und Zusátzen dem jugendlichen Verstándnis náhergebracht. Die Absicht
ist zweifellos gut; ob das Richtige getroffen wurde, darúber láBt sich streiten. Jeden-
falls sollte die Bezeichnung als „Ubersetzung" der islándischen Texte vermieden werden.
Warum in die Thorfinns saga Karlsefnis Stellen aus der Grönlándergeschichte der Flatey-
jarbók úbernommen wurden, ist aus dem von Hruby angegebenen Grunde nicht ver-
stándlich. Der Sagatext sagt nicht, daB Leif die „Maserholz"-Balken fúr Háuser in
Vínland benutzen wollte. Das ist tatsáchlich auch recht unwahrscheinlich; denn sein
Aufenthalt dort war viel zu kurz, um an die Errichtung massiver Háuser denken zu
dúrfen. Es heiBt im Texte nur ganz allgemein, daB die Báume in Vínland groB genug
waren, um als Balken ftir Hausbau dienen zu können, wobei im besonderen an Hausbau
daheim in Grönland gedacht gewesen sein mag. Auch die von Hruby angegebenen
Lokalisierungen und die in der Zeittafel mitgeteilten Daten sind stark umstritten und
zum Teil bestimmt irrig. H. E.
2. PRESTAFJELAGSRITID. X. ár 1928.
In stattlicherem Umfang als die bisherigen Bánde erscheint der io. wieder, wie immer,
rechtzeitig zum Herbst. Und er ist auch an Inhalt besonders reich. Diese Bánde sind
nicht nur ftir die Geistlichen herausgegeben, sondern sie wenden sich an die christliche
Gemeinde Islands. Eine Aufzáhlung der sámtlichen Aufsátze ist hier nicht am Platze.
Besonders wichtig erscheint mir der Uberblick von Prof. Magnús J ónsson tiber die Ent-
wicklung der Leben-Jesu-Forschung und die Darstellung des Herausgebers Prof. Sigurð
Sívertsen von dem Charakter der drei nordischen Kirchen (Schweden, Dánemark, Nor-
wegen); der Chinamissionar 'Olafur 'Olafsson berichtet von seiner Tátigkeit. Sonst
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