Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1935, Síða 11
dig. Meist handelt es sich um uneigentliche, oft redensartliche Wendungen wie
„aus dem Leben stoBen“ oder ,,ums Leben betriigen“ fiir ,,töten“, „ich wiirde
Bier bei Odin trinken“ fúr „sterben“, oder in V. 33: „ich habe da einen bösen
Tampen fúr die Eysteinssöhne zu lösen"1. Weit haufiger aber sind ausgefúhrte
Yergleiche: V. 13. „er fand die Behandlung einer Húndin“; Y. 29. „ich bin fúr sie
ein Bastard“; V. 22. „ich bleibe dabei, úber sie zu dichten, wie ein Wásche-
schlegel beim Brunnen“.
Dies letzte Beispiel steht schon an der Schwelle von einer anderen Art von Bil-
dern, die fúr Kormak besonders bezeichnend sind, die widerspruchsvollen
Bilder. Wie die Szene sich bei ihm in die Karikatur verkehrt, so verkehrt sich
das Bild ins Paradoxe. Ich gebe sámtliche Beispiele: V. 16. „(wenn sie mich auch
zu zweien angreifen, so ist das,) wie wenn Schafe dem WolfeansLebenwollen“;
V. 18. „hinauf sollen alle Ströme flieBen, bevor ich dich aufgebe“; V. 33 „(ichwerde
ihn schmáhen,) daB die Steine schwimmen sollen“; Y. 42. „Felsen schwimmen,
Erde versinkt, Berge stúrzen insMeer (bevor eine Gleichschöne geborenwird)“.
V. 45. „Er muB wohl ein Herz ausLehm inderBrust haben.“ Ein weiteres Bei-
spiel gábe die Deutung von Gudbrandur Vígfússon zu V. 18, die allerdings zwei
Wörter unúbersetzt láBt: „Sie haben fúr Schlangen FúBe zu fabrizieren“, in der
Bedeutung: „Sie haben etwas Unmögliches zu unternehmen.“
Wie die Skaldenlyrik tiberhaupt, so begnúgt sich auch Kormak háufig nicht
damit, schlechthin Szene oder Bild vor uns hinzustellen. Er gibt beides in sub-
jektiver Spiegelung. Oft erscheint das Verb nicht in der Aktionsart des Be-
richtes, háufig ist es umschrieben; die Handlung ist dadurch abgerúckt von der
Wirklichkeit, sie wird gesehen durch das Temperament des Dichters. Zuweilen
mag die Umschreibung des Verbs nicht mehr als eine metrische Notlösung sein,
sie bringt aber doch den entfernteren, subjektiven Klang mit sich. Der einfachste
Fall ist die Umschreibung der Handlung durch die subjektive Aktionsart des
Perfekts; darin gefallen sich schon eine Reihe Eddalieder. Der Skalde geht in der
Regel weiter. Die Handlung wird z. B. als ein Bewirken, Vermögen oder Mtissen
(Nicht-anders-Können) modifiziert: V. 53. „Er lieB ein Schwert fuchteln“;
V. 54. „Ich lasse beiBen“; V. 2. „Auf ihre FúBe konnte ich schauen“; V. 31.
„Nichtgáhnenkonntees(das Schwert) mit dem Todesmunde“; V.64. „Tragen
konnten sie das Schwert“; V. 10. „Sie kam dazu, mir zureichen.V. 55.
„Ich muBte búfien“. Háufig wird die Subjektivitát des Geschilderten mit
baren Worten ausgesprochen durch Umschreibung mit Verben des Scheinens,
Planens, Glaubens, Wissens: V. 13. „Er scheint mir rotáugig zu sein“; V. 45.
„Er scheint mir spátdranzu sein“; V.31. „Ichglaubte... zuhalten“; V.45.
„Er muB wohl einLehmherz haben“; V. 47. „Sein wirdes Gánseblut“; V. 54.
1 Diese Deutung von GuÚbr. Vígfússon scbeint mir sehr wahrscbeinlich zu sein.
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