Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1927, Side 5
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den Sinn genauer bestimmt wie z. B. kar-l Mannsperson, vgl.
gr. yéQœv = aller Mann, hug-ö Aufmerksamkeit, vgl. liug- in
hugr Sinn, ngk-r Nix, vgl. ahd. nihh-essa.
Viele Wörter sind im Islándischen mit Práfixen gebildet wor-
den wie g- in gnógr genug, glíkr gleich < ga-nóg-, ga-lik-,
tor- in iorfenginn, lorgœlr schwer zu erlangen, for- in for-
faðir Vorvater, forsfá Umsicht u. s. w. Diese P/áfixe haben
eine weite Ausbreitung in den altgermanischen Dialekten,
wáhrend nur Reste im Islándischen zuriickgeblieben sind;
insbesondere gilt dies fiir die Zeilwörter, die im Urnordischen
vor der altnordischen Zeit meistens ihre Práfixe verloren
haben. In den áltesten isláudischen Úberlieferungen wie in
der poetischen Edda lassen sich aus dem Bedeutungswandel,
die viele dieser Zeilwörter erlitten haben, deren urspriing-
liche Formen mit Piáfix erkennen.1)
Aus der idg, Zeit stammen im isl. viele Wörter mit und
ohne Práfix; hierher gehören z. B. Wörter mit und ohne s
(das bewegliche s) wie skreppa = mhd. schrimpfen, kreppa
(vgl. kroppinn) = ahd. krimpfan, skorpa Kruste und korpa
Runzel, vgl. korpna einschrumpfen,1 3) skrap Gerassel, vgl.
got. hrópjan8) und deren áhnliche.
Da die islándischen Práfixe mit Anfang der isl. Sprach-
periode im Verschwinden sind und alle in den anderen germ.
Sprachen vorkommen, werden im folgenden nur die Suffixe
behandelt werden.
Die Suffixe.
§ 4. Bei der Behandlung der Suffixe wird vom Neuis-
lándischen ausgegangen; die neuislándischen Suffixe zeigen
iiberhaupt die altnordische Form (mit vereinzelten Ausnah-
men wie elwa des -ur aus -r). Die Scheidung in primáre
1) Vgl. hieruber z. B. Verf.: íslenzk tunga í fornöld. Reykjavík 1923
—24, S. 121 ff. R. Vonhof: Zur entwicklung der germ. echten verbal-
composita im allwestnordischen. Diss. Bremen 1905.
2) Vgl. H. Schröder: Das bewegliche s vor guttural -f-r in den germ.
Sprachen. Beitr. 29, 479-554.
3) Vgl. F. Holthausen: Wortdeutungen. IF. 39, 62 fl.