Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1927, Side 27
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Stelle im Walde (norw. dial. rjod, ahd. reod, gerodeles
Land, < *reuð-ra vgl. ryðja und ruð, N. gerodete Stelle
im Wald), ijóðr Weideseil (afries. tiadar, tieder, von der
Wurzel *du- in *duk- ziehen), veðr Willerung (germ.
*weðra < *vetró-, as. wedar).
3) Feminina: fleyðr Querbalken (im Hausbau), norw. dial.
flauta, F. Querbalken an einem Schlitten (vgl. lit. plautai,
M. Querhölzer der Darre). Fleyðr kommt in Altisl. nur
im Plur. vor: fleyðrar und fleyðr (fleyðr gulligar in Stjórn).
4) Komparativbildungen von Adverbia und Prápos: niðr —
ags. niþer, Kompar. zu Sanskr. ni = herab, norðr <
idg. *njtró-, suðr < germ. sunþra (afries. súther), viðr
— got. wiþra < *vi-ftero.
Iðr N. Pl. Eingeweide ist eine ursprúngl. Kompara-
tivbildung < *enþra < idg. *en((e)ro, gr. evtequ Einge-
weide.
§ 35. -cl (-él) kommt nur in wenigen Wörtern vor wie
botél, N. Flasche (aus frz. bouteille), glaðél, N. (auch M.)
Lanze (aus lat. gladiolus), tampél, N. Bándel, auch Eimer
(in Mýrasýsla, zum Transport der Esswaren auf die Weide).
§ 36. -elsi kommt vor in Wörtern wie:
fangelsi, reykelsi, rúmelsi (Fr.), bakkelsi, ergelsi, skikkelsi
(S. BI.).
Alle diese Wörler sind Neutra und ja- Weiterbildungen
des germ. Suffixes -(i)sla- in Wörtern wie got. swumfsl, N.
Teich, ags. sticels Stachel u. s. w. Fangelsi Gefángnis ist ein
Lehnwort aus dem mnd. veng(e)nisse, N., das umgebildet
wurde (altdán. fangelse, mittelschwed. fangilse). Reykelsi
"Weihrauch ist ein ags. Lehnwort (récels). Rúmelsi Freiheit,
freie Verfiigung, kommt zuerst in den Heilagra manna s?gur
vor, und ist auf dieselbe Weise gebildet worden. Bakkelsi
Gebáck, ergelsi Arger und skikkelsi Ehrbarkeit sind dánische
Lehnwörter.
§ 37. -endis (-Indis) kommt nur vor in:
bráðendis bald, schnell, berindis sichtbar, sichtlich, snemm-
endis, snimmendis, bald. Snimmendis ist eine islándische
Weiterbildung des got. sniumundð durch Anhángung des
adverbialen -is (vgl. § 62), und die beiden anderen Wörter